Da muß Strix sich zufrieden geben; mit ihrem geraubten Fraß fliegt sie auf einen Zweig hinauf und kröpft ...
Sie verschlingt das Eichhörnchen, kröpft seine Fahne, seine Zähne, seine Klauen; dergleichen grobkörniger Zusatz befördert die Verdauung so angenehm!
Aber ein Eichhörnchen ist zu wenig für einen Verbraucher wie Strix. Sie muß versuchen, sich mehr zu erlauschen, zu erlauern oder zu erjagen — und sie streicht, einer großen Flocke gleich, durch die Kellertiefe des Tannenwaldes und gleitet weiter wie ein Schatten durch den Hochwald. Sie untersucht die Wipfel — sollte da nicht eine Taube sitzen? Sie versenkt sich in die Dickungen —: sollte sich nicht eine Amsel dort verborgen haben? Die lähmende Angst folgt ihr; daß man sie nicht hört, sie nicht sieht, ehe sie auftaucht, darin besteht Ihre Zaubermacht.
Schon breiten sich blaßgelbe Nebel im Osten aus. Die graue Dunkelheit wird zu blauem Himmel, und schwarze Wolkenschichten erhalten Glorienglanz. Die gelbe Sonne ist auf dem Wege aufwärts, bald wird sie auf ihrem kurzen Tageszuge rings um den Wald wieder sichtbar werden. Ein paar rote Dompfaffhähne zwischen einem Gewirr reifgeschmückter Birkenzweige scheinen Strix grell in die Augen, und jetzt endlich sieht sie, wonach sie die ganze Nacht gesucht hat —: ein Eichhörnchen schlüpft vor ihr her, einen Zweig entlang.
Das Eichhörnchen ist morgenfrisch — und Strix hat Pech mit ihrem ersten grausamen Schlag; sie schlägt von unten zu, aber sie jagt nur die Fänge in den Zweig, auf dem das Eichhörnchen saß.
In langen, krummbahnigen Sprüngen, als wäre es eine abgeschossene Kugel, saust das Eichhörnchen von einem Baumwipfel zum andern.
Mit zusammengefalteten Flügeln schleudert sich Strix hinter ihm her, sie macht jähe Wendungen rund um die große Krone herum. Sie steigt mit schnellen, aber lautlosen Flügelschlägen, gleich einem großen, braunen Fußball, und streift mit blitzschnellen Hieben den glatten Pelz des Eichhörnchens.
Haare stieben durch die Labyrinthe der Zweigwölbungen ...
Das Eichhörnchen schwebt in größter Gefahr. Trotz ihres schweren Körpers versteht es Strix meisterhaft, sich zu winden, und sie ist dem Springgesellen mehrmals so dicht auf den Fersen, daß ihr die zurückschnellenden Zweige ins Gesicht schlagen.
Aber dieser Akrobat ist nicht von gestern. Es ist ein alter, gewiegter Bursche, der schon früher im Leben Eulen im Nacken gespürt hat — er weiß, wo er hin will, wo Hilfe zu finden ist.