Was sie faßt, fühlt sich wie ein Stock an; er rollt unter ihr, — und im nächsten Augenblick erhebt eine große, braune Kreuzotter ihren schuppenrasselnden Leib vor ihr in die Höhe.

Auch sie ist auf Rebhuhnjagd aus!

Die Schlange wohnt hier im Heidegestrüpp längs des alten Grenzwalls und pflegt eine gewisse Jahreseinnahme von ihren Hühnern zu haben.

Vor drei, vier Tagen hat sie eine große Beute gemacht. Da war sie über die Küchlein hergefallen, die noch so klein waren, daß sie keine Kraft in den Ständern hatten. Schon hatte sie zwei umgebracht, sie lagen zerkaut und mit Schleim übergeifert da, aber es war ihr nicht möglich gewesen Ruhe zu finden, um sie zu verschlingen. Wenn sie gerade dabei war, fuhren die rasenden Eltern auf sie ein; der Hahn krähte laut und das Huhn schlug sie mit den Flügeln in die Augen und kratzte sie mit seinen scharfen Krallen. Unablässig hatte sie zischen und mit der Zunge spielen und ausweichen müssen, wie vor Feuer und Rauch.

Endlich war es ihr gelungen, des dritten Küchleins habhaft zu werden; das Kleine lag da und spattelte in den letzten Zügen. Da packte sie es und sauste damit von dannen; sie trug es im Maul hoch erhoben über dem Heidekraut — und ging dann mit ihm in ihre Erdhöhle hinunter. Hier hatte sie es sich in Ruhe und Frieden einverleibt.

Aber das Malheur mit den beiden andern kitzelte ihr noch immer den Gaumen. Hätte sie bekommen, was ihr zukam, die drei Jungen statt des einen, so hätte sie ruhig faulenzen und sich an Nachttau und Tagessonne gütlich tun können. Nun fühlte sie sich nach ein paar Tagen wieder so schlank im Leibe — sie mußte hinaus, sie mußte etwas zu fressen haben!

Im Laufe der Nacht war sie in einem Dutzend Mäuselöchern bis auf den Grund gewesen. Aber nirgends traf sie jemand zu Hause. Dann hatte sie sich am Rande des Eichengestrüpps versteckt, wo sie in ihrem rechtmäßigen Revier lag und lauerte, als sie auf einmal urplötzlich in ihrer Jagd gestört wurde.

Die Schlange ist ein großes, rotbraunes Weibchen mit einem schwarzen Blitzstrahl am Rücken entlang. Sie mißt fast eines Armes Länge und ist stellenweise so beleibt, daß sie beinahe die Dicke eines Handgelenks hat. Als sie sich von dem Griff ihres brutalen Gegners befreit hat, rollt sie sich in einer Spirale zusammen, den flach gedrückten, eigentümlich herzförmigen Kopf klar zum Angriff über dem Gipfel der bebenden Körperringe erhoben.

Sie ist ergrimmt und erregt! Ihre kleinen verräterischen Augen blitzen und funkeln vor List und Bosheit. Ihr breiter Rücken und die Bauchmuskeln arbeiten krampfhaft und wringen und krümmen sich nach der unsanften Behandlung in Strix’ Fängen. Ihr kurzer, rundlicher Schwanz, der gewöhnlich steif wie ein Stock unter ihr zu liegen pflegt, fährt ununterbrochen wie ein tickender Pendel über den Sand hin und her.

Strix erwacht im Handumdrehen aus dem Fangerausch; steif wie ein kalkuttischer Hahn in Ekstase, die Lichter in den Augen der Schlange, dreht sie sich nach ihr hin. Wie von einer plötzlichen Eingebung getrieben, rollt sich die Kreuzotter aus ihrer zusammengewickelten Stellung, um bis an den Ständer der Eule zu gelangen und sich darum herum zu winden; Strix aber befreit sich mit einem Satz rechtzeitig aus den Schlingen. Da wechselt die Schlange die Taktik und richtet sich auf. Mit spielender Zunge und grausam starrenden Augen hängt sie vor Strix, sie siedet wie ein Teekessel und baumelt in der Luft wie ein großes umgekehrtes Fragezeichen.