Nur der kleine Leuchtturm draußen auf der Landzunge bleibt übrig.
Über die See weht ein wahrer Orkan aus Westnordwest ...
Düstre schwarze Wolfen, wild zerfetzt an den Rändern, jagen über den Horizont. Sie kämpfen mit funkensprühenden Feuerschlangen, die sich um ihren Rücken geschlungen haben, so daß rings umher in der Luft blutige Risse klaffen.
Das Meer tost und schäumt ... sein Brausen ist in den Strandwald gefahren, der siedet und brodelt, er kocht vom äußersten Rande bis ins innerste Dickicht. In seiner dicht verfilzten Kronenwölbung gehen tiefe, mächtige Windwellen, die vom Wipfelast bis ganz hinab zur Wurzel reichen.
Der Sturm treibt selbst mit den innersten Bäumen Kurzweil; er knechtet sie, die verwachsenen, kaum zwei Mann hohen Baumkrüppel, so daß die wilden Schüsse des Unterwaldes sich vor Wonne schütteln, wenn sie hören, wie schwer die großen Baume kämpfen müssen.
Man krümmt den Rücken da oben an Land! Steht demütig da und dienert, wo es sonst gilt, den besten Platz an der Sonne zu erhaschen; man schmeißt Äste, Zweige und die letzten lieben Blätter ab — und ist froh, wenn man nur damit davon kommt.
Der ganze Waldboden ist bedeckt von abgerissenen Reisern und Tannennadeln; er sieht aus wie ein Weg, der zu einer Beerdigung mit Grün bestreut ist. Da ist nicht gespart, nicht gegeizt, Vogelbeeren, Schlehen und Hagebutten liegen da — und gleich willig und verschwenderisch streut der Sturm noch immer drauflos.
Der kleine Leuchtturmwärter ist auf dem Jagdpfade; er schleicht in der Dunkelheit herum, die Flinte bereit. Ist die Eule am Tage nicht zu sprechen, wohlan — dann muß er versuchen, ob er sie nicht des Nachts treffen kann.
Dichter und dichter drückt sich die Finsternis um ihn, sie guckt hervor aus Gestrüpp- und Baumstammzwischenräumen, sie faucht ihm ihre schwarzen Tupfen ins Gesicht und macht seine weiße Hand, die das Flintenrohr umfaßt, dick und schwarz.
Heulen, Jammern und Seufzen erfüllt den Strandwald. Töne, bald so herzzerreißend, daß man glauben sollte, ein Mensch sei in Not, und Töne, bald so überirdisch, als kämen sie vom Himmel, strömen ununterbrochen seinem aufmerksamen Ohre entgegen.