»Ich hatte die Absicht, allein zu gehen. Hab' allerlei durchzudenken und durchzufühlen. Ein Freund, der einem soeben endgültig aus der Hand geglitten ist, Sie verstehen –«
Paulsen zuckt die Achseln. »Ich erlaube mir zu bemerken, daß uns die Dinge meist nur aus der geöffneten Hand gleiten.«
»Nun ja,« antworte ich, »aber manchmal rät der Verstand, die Hand rechtzeitig zu öffnen.«
Paulsen verzieht das Gesicht zu einer wehmütig-spöttischen Grimasse. »Tja, ja, der Verstand!« bemerkt er tiefsinnig, und ich fahre fort:
»Übrigens können Sie auch mitkommen, denn wenn ich mir's recht überlege, sind Sie einer der wenigen Menschen, mit denen sich's fast ebensogut geht wie allein.«
Er zieht den Hut und streckt mir abschiednehmend die Hand hin: »Nach diesem Hymnus auf die Einsamkeit –«
»Ach, keine Fissimatenten,« sage ich und schiebe ihn mit dem Ellenbogen vorwärts, »kommen Sie mit. Sie wissen ja, es ist ein schönes Ding um die Einsamkeit, aber man muß einen haben, dem man sagen kann: ›Es ist ein schönes Ding um die Einsamkeit‹!«
»Gut und weise!« lobt er und geht langsam neben mir weiter. »Nur daß Sie mich damit zum Spiegel Ihrer schönen Gefühle erniedrigen! Und außerdem hätten Sie an Stelle des unpersönlichen Fürworts unbedingt ›die Frau‹ sagen müssen, denn wir Männer ertragen die Einsamkeit auch ohne Spiegel.«
»Das ist ein unliebenswürdiger Zug von euch,« behaupte ich, »und außerdem glaube ich's nicht. Ihr braucht euer Publikum so gut wie wir.«
»Ja,« antwortet er, »aber nur von Zeit zu Zeit. Verhältnismäßig selten. – Eine Frau kann aber nicht leben ohne Spiegel. Sie kann weder Kunst noch Natur allein genießen, sie braucht immer einen, der ihre Bewunderung bewundert. Ja, ich behaupte sogar, eine Frau allein in einem Zimmer, in dem sie weder gehört noch gesehen werden kann, hört auf zu existieren. Sie erlischt wie eine Kerze im luftleeren Raum.«