»Ungefähr so, wie einer meiner Bekannten, der immer wenn er Unannehmlichkeiten erlebt hat, fröhlich trällernd zu seiner Frau ins Zimmer kommt, um sie über seinen Seelenzustand zu täuschen. Sie erschrickt denn auch jedesmal zu Tod, wenn sie sein Trällern hört.«
»Wie schade,« sagt Erich, »auf diesen liebenswürdigen Trick werde ich also schon verzichten müssen. Und ich bin nun wirklich selbst neugierig, welche Maske ich mir vorbinden muß, um Sie zu täuschen. Was meinen Sie, wenn ich das Raffinement so weit triebe, mir die Durchsichtigkeit als Maske zu wählen?«
»Eine gewisse kühle Durchsichtigkeit, ja. Das wäre ein sehr feiner Zug, der besondere Schlauheit verrät. Sie müssen nämlich wissen, daß der wahre Psychologe den Menschen am besten an der Maske erkennt, die er sich wählt. Und man könnte daher den sehr veralteten Spruch mit Recht dahin umändern: ›Ich weiß, wer du scheinen willst und sage dir, wer du bist‹.«
»Und damit wäre die Maske wieder nur ein Teil von uns selbst, und es bedürfte einer zweiten und dritten, um die erste zu verbergen. Nein,« sagt Erich energisch, »da bin ich doch schon aus Klugheits- und Ventilationsgründen für offenes Visier.«
»Das nützt auch nichts,« entgegne ich bekümmert, »denn es gibt Menschenkenner, die so niederträchtig fein sind, daß sie uns selbst ohne Maske durchschauen.«
Erich lacht. »Sie rechnen sich dazu?«
»Ach nein,« sage ich, »ich weiß mich frei von der Schwäche psychologischer Neugier und danke Gott täglich, daß er den Menschen die Gabe verliehen hat, ihre wahren Gesichter zu verbergen. Denn Erich, wirklich, bei Licht besehen, es ist ein Pack.«
»Und nur wir beide nicht?« fragt er.
»Ach, wir beide auch,« antworte ich, »aber von den Anwesenden spricht man nicht gern, und deshalb sagt man auch immer, sie sind ausgeschlossen.«
Wir fahren eine Weile schweigend weiter, endlich sagt Erich, wie mir scheint, etwas verdrossen: »Eins begreife ich nicht und ärgere mich darüber, – nämlich, was Sie zu dem abfälligen Urteil über Ihre Mitmenschen berechtigt. Die Erfahrungen, die Sie bisher gemacht haben, sollten doch gerade danach angetan sein –«