»Ja,« sagt Erich seufzend, »wenn es so eine Art seelische Kosmetik oder Massage gäbe –«
»Die gibt es sicher,« tröste ich ihn, »eine sehr gute Seelenmassage ist zum Beispiel schon die Liebe. Aber um Himmels willen keine glückliche, denn die bewirkt gerade das Gegenteil –, führt leicht zu Ehe, Schlafrock und Kinderkriegen, und unmerklich aber sicher ins Himmelreich der Philister. Aber so eine recht unglückliche Liebe, sehen Sie –«
Ich breche erschrocken ab, denn Erich lächelt gar zu wehmütig und schelmisch zugleich.
»Erich,« sage ich und starre ihn entsetzt an, »um Himmels willen, Sie auch?«
Er wendet mir langsam sein liebes und ehrliches Gesicht zu und nickt ...
»Wie habe ich meine Maske getragen?« fragt er leise.
»Das ist nun mal mein Fimmel –«
Die Mittagstafel im Sanatorium für Nervöse und Überarbeitete geht ihrem Ende zu. Ja, der Doktor ist sogar schon aufgestanden, und während ein Teil der Gäste noch mit dem Pudding beschäftigt ist, steht er, die Hände auf die Lehne gestützt, hinter seinem Stuhl im Gespräch mit dem großen Dichter und der interessanten Frau, die ihm täglich gegenüber sitzen. Er spricht lebhaft und angeregt, bricht aber plötzlich mittendrin ab, überfliegt die Tafel mit einem zerstreuten Blick, der scheinbar nichts aufnimmt und zieht sich zurück, ohne sich von jemandem zu verabschieden. Gleich darauf erheben sich auch die Gäste, und während man sich dem Ausgang zudrängt, vermischen sich die zwei sonst streng geschiedenen Tische, der Tisch der Geistigen und der Tisch der Harmlosen, und das Stimmengeschwirr geht lauter hin und her.
»Hie weise Reden, hie Gelalle, – ich leg' mich in die Liegehalle,« sagt jemand neben mir, und da ich den Schüttelreimfimmel des sehr gesprächigen kleinen Assessors schon seit Wochen kenne, sage ich nur gewohnheitsmäßig: »Schauderhaft!« und füge gleich hinzu: »Ich komme aber mit hinauf, muß jetzt auch liegehallen.«