Ich muß lachen: »Ich glaube, in der Juristensprache nennt man so etwas eine Unterschiebung; aber ich zweifle nicht daran, daß Sie hier im Sanatorium allerlei Verständnis für Ihre Auffassung finden.«

»Die Sie nicht teilen?«

»Die ich teile, – unter Vorbehalt natürlich.«

»Unter welchem Vorbehalt?«

»Nun, erstens natürlich unter dem Vorbehalt der Legitimität.«

»Legitime Küsse!« Er schüttelt sich. »Aber zweitens?« drängt er. »Auf erstens muß doch immer ein zweites folgen.«

»Zweitens,« antworte ich und lehne mich soweit in meinem Liegestuhl zurück wie es irgend möglich ist, »zweitens will ich Ihnen mal was sagen, Burmeister: Sie sind neugierig. Ich habe Ihnen heute schon ein Geheimnis anvertraut und diese Erinnerung macht Sie kühn, um wieder mal aus dem Don Carlos zu zitieren.«

»Du lieber Gott, kühn!« seufzt Burmeister. »Wenn Sie wüßten, wie wenig kühn ich in diesem Augenblick bin!«

»Na also, dann ist's ja gut,« sage ich, »dann setzen Sie sich wieder bequem zurück, wie sich's gehört und bedenken Sie, daß nach Tisch von Gottes und Doktors wegen Ruhezeit ist. Und dann will ich Ihnen das zweite Geheimnis anvertrauen.«

»Das Geheimnis Ihrer Unnahbarkeit?« fragt er.