»Sie haben die körperliche Züchtigung verdient,« sagt er, »denn Sie hätten merken können, daß ich jetzt vernünftig mit Ihnen sprechen will.« – »Es ist mir nichts aufgefallen.« – »Ruhig! – Also, wie geht es Ihnen?«

»Auf eine so originelle Frage kann ich nur ebenso originell antworten. Es geht mir natürlich sehr gut.« – »Wieso natürlich?« fragt er, »ach so, Sie meinen, einer so entzückenden Dame gegenüber kann das Schicksal natürlich gar nicht anders als zart und galant verfahren. Sie stehen ja auf einem so hohen Piedestal, Sie schweben so hoch über allen Erdendingen –.« – »Um Gottes willen,« sage ich, »was haben Sie auf einmal?« – »Warum?« fragt er, »war ich etwa nicht grob?« – »Geradezu unverschämt,« versichere ich.

»Na also,« sagt er, »was ist da zu erschrecken! Mir scheint, Sie sind etwas verwöhnt und verzärtelt worden seit unserem letzten Zusammensein. – Was machen übrigens Ihre vierzig Freunde?«

»Sie verwechseln das,« belehre ich ihn, »bei unserem letzten Zusammensein war von Ihren dreiundvierzig Freundinnen die Rede.«

»Nun ja, warum sollte ich nicht drei mehr haben als Sie?« fragt er, »gönnen Sie mir die etwa nicht?«

»Von Herzen,« sage ich. »Don Juan hatte noch mehr.«

»Don Juan war auch kein feiner Genießer wie ich,« erklärt er. »Ich bin nur für Auslese, und deshalb kann auch der Kreis unmöglich vergrößert werden, so sehnsüchtig Sie darauf warten, aufgenommen zu werden.«

»Weshalb sind Sie so grausam?« frage ich, »gehen mir vielleicht ein paar Tugenden ab, die notwendig sind, um unter die Göttinnen eingereiht zu werden?«

»Alle,« erklärt er, »zuerst die wichtigste, Bescheidenheit. Sie sind von einem ebenso unberechtigten wie unerträglichen Hochmut geradezu geschwellt. Sie halten sich für unausstehlich gescheit –.« – »Ganz im Gegenteil,« versichere ich, »ich halte mich für sehr angenehm begabt.«

»Sie sind überzeugt, daß Sie keine Fehler haben –.« – »Auch das nicht,« antworte ich, »aber ich habe gerade meine kleinen Untugenden von jeher sehr reizvoll und sympathisch gefunden. – Fahren Sie übrigens nur fort, es gibt für mich nichts Wohltuenderes, als wenn sich jemand so eingehend mit meiner Person beschäftigt.«