»Für diese niedrige Eitelkeit verdienen Sie meine Verachtung,« antwortet er, »oder ist Ihnen eine körperliche Züchtigung lieber?«
»Ach nein,« sage ich erschrocken und verstecke die Hände unterm Tisch, »wenn ich dann lieber um Ihre Verachtung bitten dürfte.«
»Dacht ich mir's doch,« sagt er, »man hat Sie entsetzlich verweichlicht im letzten halben Jahr. – Aber jetzt ernstlich: Was machen die vierzig? Oder sind's seitdem mehr geworden oder gar weniger?«
Ich nicke: »Einer weniger.«
»Verkracht?« fragt er und strahlt geradezu teuflisch. – »Ach, wenn's nur das wäre,« sage ich.
»So, so, also ernstlich,« überlegt er. »War's Ihr bester?«
»Ich weiß nicht,« antworte ich, »aber ich glaube, der, den man verloren hat, war immer gerade der beste.«
»Na ja,« brummt er, »das hat dann gleich so etwas vom verlorenen Sohn an sich. Aber mit Freunden sollte es anders sein. Die man ohne eigene Schuld verliert, an denen ist meistens nichts verloren. Und so streitsüchtig Sie sind, ich nehme an, es war nicht Ihre Schuld.«
Ich muß lachen. »Ach nein,« sage ich, »ich war ganz und gar unschuldig, der Junge hat sich verheiratet.«
»O weh, o weh!« sagt der Professor und schlenkert die Hand durch die Luft, als habe er sich verbrannt. »Also ein fast unheilbarer Fall. Wie konnte der Trottel nur?«