»Trottel?« sage ich empört. »Er hat sehr vernünftig geheiratet, ideal und nützlich zugleich.«
»Also ein idealer Nützlichkeitstrottel,« nickt er. »Und er hat Ihnen versprochen: Zwischen uns bleibt alles, wie es war, und unsere Freundschaft besteht jede Probe, und so weiter?«
»So ähnlich,« antworte ich.
»Und Sie Schaf haben's geglaubt?«
»Lieber Professor,« sage ich, »ich bin vielleicht geistig etwas unter dem Durchschnitt, aber für so ein Schaf dürfen Sie mich nun doch nicht halten.«
»Na also,« sagt er, »und trotzdem beklagen Sie sich jetzt.«
»Ich glaube, ich kann Ihnen mit gutem Gewissen die ehrenvolle Anrede zurückgeben. Denken Sie Schaf vielleicht, uns schmerzen nur die Dinge, die wir nicht vorausgesehen haben?«
»Es war dumm, natürlich,« brummt er. »Sie haben recht. Es gibt allerdings Menschen, denen das Vorhergewußthaben jeden Schmerz versüßt, aber dazu gehören Sie anscheinend nicht. Wieso kam es aber zum Bruch? Hat man Sie etwa beleidigt?«
»Es ist gar kein Bruch, und mit Absicht hat man mich wohl nicht beleidigt,« antworte ich, »aber haben Sie nicht schon bemerkt, daß uns die Kränkungen am tiefsten treffen, die uns unabsichtlich zugefügt werden?«
»Natürlich,« sagt er, »die verfluchte Eitelkeit! Wir ertragen's eher, daß man uns haßt und verabscheut, als daß man uns gleichgültig gegenübersteht. – Übrigens vermute ich, Sie verlieren nicht mehr viel an dem Verkehr, denn wir waren uns ja von jeher darüber einig, daß glücklich verheiratete Leute kein Umgang für Menschen von Geschmack sind. Ob sie's wollen oder nicht, sie bringen ihr Familiensofa überall mit hin, und man kann sie noch so entfernt voneinander placieren, immer hat man das Gefühl, als säßen sie Hand in Hand. – Ist übrigens noch kein Ersatz in Sicht?«