»Ja, das wäre doch interessant zu wissen, gnädige Frau, und ich hoffe, Sie antworten mir ehrlich: Ist Ihnen noch nie der eine oder der andere Ihrer Freunde gefährlich geworden? Es läge doch so nahe –«

Ich kann's nicht ändern, ich muß dem kleinen Dichter einmal mit der Hand übers Gesicht streichen und ihm dann einen Nasenstüber versetzen.

»Einer?« sage ich. »Oder der andere? Was denken Sie eigentlich? Jeder einzelne ist mir schon gefährlich gewesen, der eine auf Tage, der andere auf Stunden und manchmal waren's auch nur Minuten, aber zum Glück hat immer einer den anderen wieder aufgehoben, so daß die Sache hübsch im Gleichgewicht blieb, – balance of power nennt man so etwas, glaube ich.«

Der kleine Dichter sieht unzufrieden aus, und ich beuge mich ein wenig zu ihm hinüber und frage:

»Also weshalb habe ich Sie solange nicht gesehen?«

Er weicht meinem Blick aus: »Ich wollte arbeiten, ich sagte es ja.«

»Früher war das ein Grund mehr, zu kommen.«

»Ja, früher!« antwortet er rätselhaft und fragt dann, unbeweglich in den blauen Rauch starrend, der seiner Zigarette entsteigt:

»Kennen Sie das, was einen nicht arbeiten und nicht ausruhen läßt, nicht wachen und nicht schlafen, die Qual, die einen auffrißt bei lebendigem Leib?«

»Wer kennt das nicht?« antworte ich, und dann ist's eine Weile still im Zimmer.