Die Zeiten sind lange vorbei, wo man in den Straßen Berlins noch Rinderherden sah, wie ich es in meinen jungen Jahren erlebt habe. Heute rennt die ganze Jugend Berlins zusammen, wenn eine Kuh nach oder von einer Molkerei befördert wird. Alle staunen das Wundertier an. Was im Dorfe die alltägliche Erscheinung ist, gehört in der Großstadt zu den Seltenheiten.

Um eine weidende Rinderherde zu beobachten, müssen wir schon ein ordentliches Stück Weg laufen. Das Glück ist uns hold. Wir treffen eine Herde von Kühen an und können in Ruhe den Tieren zuschauen.

Da in der Nähe auch ein Pferd grast, so können wir so recht den Unterschied zwischen dem Weiden des Pferdes und der Rinder beobachten. Das Pferd packt die Gräser mit der sehr beweglichen Oberlippe und beißt kurz ab, die Kuh dagegen arbeitet hauptsächlich mit der Zunge, die ihr die fehlenden oberen Schneidezähne ersetzt. Schlächter haben mir oft erklärt, daß man mit einer getrockneten Rinderzunge einen Stuhl zusammenschlagen kann. Ich habe es in diesen Zeiten der Fleischnot noch nicht ausprobieren können, halte es aber sehr wohl für möglich. Jedenfalls ist die Zunge beim Rinde ein äußerst wichtiges Glied.

Weil die Kuh das Gras mit der Zunge packt, wird es nicht so tief abgebissen. Daher kommt es, daß, wo Kühe gegrast haben, noch sehr gut Pferde weiden können.

Die äußerlich auffallendsten Unterschiede zwischen Rindern und Pferden sind namentlich folgende:

Die Rinder haben Hörner, die Pferde nicht.

Die Rinder sehen plump aus, die Pferde nicht.

Die Rinder haben gespaltene Hufe, die Pferde nicht.

Die Rinder haben einen langen, kahlen Schwanz, der mit einer Quaste endet, während Pferde einen schönen, bis zur Wurzel behaarten Schweif besitzen.

Wenn wir so die Kühe behaglich im hohen Grase weiden sehen, dann taucht unwillkürlich die Frage auf, weshalb wir nicht, wie die Schweizer, auch schöne fette Käse herstellen können. Warum müssen wir unser schönes Geld an sie abgeben?