Das Schwein

[99]. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein?

Um unser Hausschwein richtig zu verstehen, wollen wir uns zunächst das Wildschwein in unserm weltberühmten Berliner Zoologischen Garten ansehen.

Vorher sei bemerkt, daß unsere heimischen Schweinerassen nicht allein vom europäischen Wildschwein abstammen.

Wenig angenehm fällt uns zunächst in dem Teile des Zoologischen Gartens, der für die Schweine bestimmt ist, der Geruch dieser Tiere auf. Aber das wird auf Gegenseitigkeit beruhen. Alle freien Tiere flüchten, sobald sie den Menschen gewittert haben. Folglich muß ihnen unsere Ausdünstung auch nicht behagen.

Hiervon abgesehen müssen wir staunen, wie reich gerade der Tierbestand an Wildschweinen in unserem Zoologischen Garten ist, obwohl gerade der Weltkrieg bei ihm große Lücken verursacht hat. Außer einer Wildsau mit Ferkeln sind noch drei Keiler, d. h. drei männliche europäische Wildschweine vorhanden. Obwohl es bereits Anfang Juni ist, hat erst ein Keiler sein Winterhaar verloren.

Vergleichen wir einen der Keiler im Winterhaar mit unserem Hausschwein, so fällt uns zunächst seine Behaarung auf, sodann die mächtigen Eckzähne, die sogenannten Gewehre. Schließlich wäre noch erwähnenswert, daß sein Kopf länger als der des Hausschweins ist, daß er überhaupt nicht so fett, dafür aber stärker, höher und ungemütlicher ist als unser Hausschwein.

In früheren Zeiten war das Wildschwein eine der häufigsten Wildarten unserer Heimat. Da es jedoch dem Ackerbau sehr schädlich ist, so besitzt es keine Schonzeit und ist an vielen Stellen bereits vollkommen ausgerottet worden.

Wenn wir uns die kleinen Augen des Wildschweins ansehen und dabei beobachten, daß sein großer Rüssel unter fortwährendem Geschnüffel in Tätigkeit ist, so können wir keinen Augenblick daran zweifeln, daß das Wildschwein ein Nasentier ist. In der Tat ist es ein ausgesprochenes Nasentier wie Elefant, Tapir, Maulwurf und andere Tiere, die sich durch ein bewegliches Riechorgan und ein nichtssagendes Auge auszeichnen.