[100]. Warum ist der Kopf des Schweines kegelförmig?

Mit dem Maulwurf hat das Wildschwein nicht nur das schwache Sehvermögen gemeinsam. An den Maulwurf erinnert auch der ganze Kopf des Wildschweins. Und so verschieden die Größe der beiden Geschöpfe auch ist, so haben sie doch in ihrer Lebensweise etwas Uebereinstimmendes.

Der Maulwurf lebt unter der Erde, indem er auf Regenwürmer und andere Insekten Jagd macht. Zu diesem Zwecke muß er, um sich schnell durch die Erde durchzubohren, einen kegelförmigen Kopf besitzen. Auch das Wildschwein frißt gern Regenwürmer und andere Insekten des Erdbodens, dann aber vor allen Dingen pflanzenartige Stoffe, die im Erdboden stecken, also Wurzeln, Kartoffeln und dergleichen. Das Wildschwein muß also einen Wühlkopf haben. Wo es etwas gewittert hat, bricht es mit seinem Rüssel die Erde auf, um zu dem durch den Geruch wahrgenommenen Gegenstande zu gelangen.

Der maulwurfartige Kopf kommt dem Wildschwein aber auch noch zustatten, wenn es schnell in Gebüsche flüchtet. Wie der Maulwurf schnell die Erde durchschneidet, so kann das Wildschwein schnell durch Gebüsche laufen. Hierbei ist es für das Wildschwein sehr von Vorteil, daß seine kleinen Augen seitlich stehen. Schon Wölfe oder Hunde können dem Wildschwein nicht so schnell in die Gebüsche folgen, weil ihre Köpfe viel weniger dazu geeignet sind, auch ihre Augen mehr nach vorn stehen. Zweige und Blätter werden ihnen also viel leichter in die Augen geschleudert als dem Wildschweine.

[101]. Warum nennt man einen Menschen mit kleinen Augen schweinsäugig?

Unser Wildschwein hat wohl kleine, aber eigentlich keine blöden Augen. Dagegen fallen bei den in der Nähe stehenden Hausschweinen die kleinen, blöden Augen sehr auf. Es ist also kein Wunder, daß man von einem Menschen, der kleine Augen hat, sagt, er habe Schweineaugen.

Schon äußerlich ist erkennbar, daß das Auge bei den Schweinen wenig leistet. Jeder Jäger kann das auch von den Wildschweinen bestätigen.

Die Schwäche der Augen wird bei den Schweinen durch die Leistungen der Nase ausgeglichen. Von der Feinheit ihres Geruchsvermögens können wir uns kaum eine Vorstellung machen. Ein Forstbeamter zeigte mir einmal folgenden Fall, da er wußte, daß ich für solche Dinge großes Interesse habe. Er hatte Kiefern angepflanzt und den Platz von der Größe eines Morgens mit einem Bretterzaun umgeben. In der Mitte des Platzes war eine kleine Stelle freigeblieben. Hier hatte sich mein Bekannter ein paar Kartoffeln gesteckt. Nun war an den Fährten deutlich zu erkennen, daß ein Wildschwein draußen am Zaun entlang gelaufen war. Hierbei muß es die Kartoffeln gewittert haben, denn es war plötzlich an einer Stelle durch den Zaun gekrochen. Das war ihm dadurch gelungen, daß es eine vorhandene Lücke vergrößert hatte. Auf mindestens 50 Schritte hatte es also die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert.

Der Landwirt zweifelt an der unglaublichen Feinheit des Geruchssinns der Wildschweine keinen Augenblick. Denn er hat auf seinen Aeckern oft Gelegenheit, sich in höchst unerfreulicher Weise davon zu überzeugen. Sehr häufig kommt es beispielsweise vor, daß ein mit Kartoffeln bestellter Acker im nächsten Jahre Getreide trägt. Eines Tages sieht man im Getreide die Fährten eines Wildschweins, das im Boden gewühlt und schweren Schaden angerichtet hat. Was hat den überall verfolgten Schwarzkittel zu dieser landwirtschaftsfeindlichen Handlung veranlaßt? Hätten die Leute beim Ausbuddeln mit Sorgfalt alle Kartoffeln gesammelt, so wäre der Schaden im Getreide nicht geschehen. So hat das Wildschwein die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert. Da es Kartoffeln sehr liebt, so hat es sie herausgewühlt ohne Rücksicht darauf, daß es dabei große Stellen Getreide zusammentrampelte oder sonst vernichtete.