Erstens kann es mit verhältnismäßig geringem Futter aufgezogen, dann schnell fettgemacht werden. Es liefert vortreffliches Fleisch und fetten Speck, der durch Salzen und Räuchern leicht aufzubewahren ist.

Zweitens hat es nicht nur ein Junges wie das Pferd oder manchmal Zwillinge wie die Kuh, sondern die Sau hat 10, ja 20 Ferkel. Die Vermehrung ist also im Vergleich zu den anderen nutzbringenden Haussäugetieren ungeheuer groß.

Ich habe oft in früheren Zeiten bei kleinen Leuten gewohnt und mich darüber gefreut, wie gut die Schweine bei ihnen gediehen. Sie kauften gewöhnlich im Frühjahr ein paar Ferkel, weil sie damals noch zu dieser Zeit viel Kartoffeln und Ueberfluß an Milch hatten. Den Sommer über wurden die Tiere mit allerlei Grünzeug, namentlich mit dem Unkraut und den Abfällen der Mahlzeiten gefüttert. Im Oktober war dann die Kartoffelernte, so daß man reichlich mit Kartoffeln füttern konnte, ebenso im November. Im Dezember wurde Gerstenschrot gefüttert und um Weihnachten herum gewöhnlich geschlachtet. Was für Prachtstücke hatten die Leute manchmal herangefüttert! Wurde man zum Schweineschlachten eingeladen, was in früheren Zeiten etwas Selbstverständliches war, so konnte man trotz des ursprünglichen Riesenhungers seine Portion Wellfleisch und warme Wurst kaum bezwingen.

[104]. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen Leuten so gut?

Die vorhin geschilderte Art und Weise, wie der kleine Mann seine Schweine behandelt, hat sehr günstige Erfolge. Sie dürften in folgenden Dingen ihren Grund haben.

Je mehr Tiere zusammenstehen, desto gefährlicher werden die Ausscheidungen. Bei den zwei Schweinen, die ich gewöhnlich im Stalle angetroffen habe, war es in dieser Hinsicht nicht so schlimm.

Die einfachen Leute auf dem Lande haben den ganz richtigen Grundsatz: Das Tier weiß besser, was ihm guttut, als der Mensch. Der Mensch soll sich nach dem Tiere richten, aber nicht das Tier belehren wollen.

Selbstverständlich überfressen sich Haustiere in ihrer Gier, ebenso nehmen sie ohne Wahl, was man ihnen in den Futterkübel wirft. Da diese Eigentümlichkeit ganz bekannt ist, so nimmt man darauf Rücksicht.

Im übrigen paßt man darauf auf, was das Tier beim Fressen bevorzugt. So gelangt man zu einer naturgemäßen Fütterung. Man bringt den Schweinen junge Disteln und Brennesseln, ebenso Schnecken und andere tierische Nahrung. Denn das Wildschwein ist ein halbes Raubtier, das tierische Stoffe braucht. Diese Abwechselung trägt zum Wohlbefinden der Schweine sehr bei.

Durch das Grünfutter im Sommer bleiben die Schweine mager. Auch das Wildschwein setzt erst gegen den Herbst zu Speck an. So bleiben die Schweine gesund und werden selten von den in unsern Schweineställen fortwährend herrschenden Seuchen ergriffen.