Auf das willige Apportieren des Hundes wird demnach von vielen Hundebesitzern mit Recht ein bedeutender Wert gelegt. Häufig kann man sie mit großem Selbstbewußtsein äußern hören: Meinem Hunde habe ich das Apportieren gründlich beigebracht.

Diese Ansicht ist nicht ganz richtig. Der Mensch liebt es, seine Leistungen zu überschätzen.

Hinge es ganz allein von uns ab, den Tieren das Apportieren beizubringen, so müßte es uns auch bei den anderen Haustieren glücken. In Wahrheit ist es schon sehr schwer, einer Katze das Apportieren zu lehren, und apportierende Kühe und Ziegen hat wohl noch niemand gesehen, obwohl Ziegen recht kluge Tiere sind.

Die Behauptung, die man allgemein hört, daß das Apportieren des Hundes ein Werk des Menschen sei, dürfte also nicht zutreffend sein.

Ein scheinbarer Grund spricht für diese Ansicht, indem man darauf hinweist, daß es widersinnig sei, wenn ein freilebendes Tier etwas schleppe, was zum Genusse eines anderen Geschöpfes bestimmt sei.

In Wirklichkeit kommt dergleichen sehr oft vor, denn auch im Tierreiche ist die Mutterliebe unendlich opferwillig. Alle Tiermütter und viele Tierväter schleppen ihren Jungen, die ihnen zu folgen nicht imstande sind, die Nahrung nach dem Lager oder Neste. Bei den Vögeln werden die im Neste hockenden Jungen von früh bis spät von den Eltern gefüttert, die den Kleinen unermüdlich passende Nahrung zutragen. Das hat gewiß schon jeder einmal beobachten können. Im Gegensatz zu den Vögeln sind es bei den Raubtieren gewöhnlich die Mütter allein, die das Heranschleppen der Beute besorgen. Alle diese Tiere apportieren also bereits in der Freiheit, da sie verzehrbare Gegenstände, die ihnen selbst gut schmecken würden, für andere tragen.

Hunden und Katzen als früheren Raubtieren liegt das Apportieren schon im Blute. Mancher junge Hund von drei Monaten nimmt bereits ein Stück Holz ins Maul und rennt damit herum. Das täte eine Katze niemals. Gewiß kann man unsere Mieze, wenn man sie sehr lobt, falls sie eine gefangene Maus bringt, dazu veranlassen, daß sie von jetzt an jede Maus, die sie erbeutet hat, ihrer Herrschaft erst zeigt, bevor sie diese verzehrt. Aber das Apportieren ist bei den Katzen immer eine Ausnahme, während es bei den Hunden die Regel ist.

Warum besteht eine solche Verschiedenheit? Um das zu verstehen, müssen wir uns an das erinnern, was vorhin über die Beine von Hunden und Katzen gesagt wurde. Der Hund hat Renn- und Grabpfoten, aber keine Pranken, wie die Katze.

Der Hund ist also in bezug auf Waffen schlechter gestellt als die Katze. Dafür hat er als Ausgleich ein mächtiges Gebiß, das viel größer ist als das der Katze. Mit seinem großen Rachen kann er natürlich viel leichter apportieren als die Katze.

Hierzu kommt noch die Verschiedenheit der Lebensweise zwischen Wildhunden und Wildkatzen. Wenn der Wolf ein Schaf abgewürgt hat oder der Fuchs eine Gans oder ein Huhn gestohlen hat, so dürfen sie es nicht an Ort und Stelle verzehren, sondern müssen es fortschleppen. Sonst würde ihnen der Hirte mit seinen Hunden, der Jäger mit seinem Gewehr oder der Landmann mit seinem Knüttel auf den Pelz rücken.