Gewöhnlich wird das Kamel als Muster dafür angeführt, daß es ein Geschöpf ist, das acht Tage lang ohne zu trinken leben kann. Man braucht nicht nach Afrika zu gehen, um ein solches Tier ausfindig zu machen.

Denn Wildkaninchen leben selbst in Berlin mehr als genug. Am Königsplatz kann man sie abends oft huschen sehen. Und ist Schnee gefallen, so erkennt man an den Spuren, daß es eine ganze Menge im Tiergarten gibt. In anderen Gegenden Berlins, namentlich im Nordosten soll es noch schlimmer sein.

Im Anfange dieses Jahrhunderts waren sie in der Umgebung Berlins geradezu eine Landplage. Wurde es abends dunkel, dann wimmelten die ganzen Felder davon. Ich wohnte damals bei einem Förster, der an jedem Tage mindestens ein Dutzend schoß. So erhielt man bei jedem Mittagessen ein junges Kaninchen vorgesetzt. Denn die Landbevölkerung wollte keine essen, obwohl ihr das Stück zu fünfzig Pfennigen angeboten wurde. Der Bauer ißt eben nicht, was er nicht kennt, wie schon das Sprichwort sagt.

Oft genug hat mir damals der Förster geklagt, daß wir gegen diese Landplage machtlos seien. Seit Jahren ist aber von ihr nichts mehr zu spüren. Man merkt kaum noch, daß welche vorhanden sind.

Das Wildkaninchen stammt aus warmen und trockenen Gegenden in der Nähe des Mittelländischen Meeres. Insbesondere soll es sich im Altertum auf den Balearen so vermehrt haben, daß die Bewohner bereits den Plan der Auswanderung faßten. Auch heute ist dem Kaninchen diese Eigentümlichkeit geblieben, daß es Nässe flieht. Ebenso fühlt es sich in der Wärme am wohlsten.

Es lebt in selbstgegrabenen Bauen, die leicht auffallen, weil sie stets in Bodenerhebungen angelegt sind. Das hat natürlich seinen wichtigen Grund. Die Gänge des Wildkaninchens führen ziemlich tief. Würde es nun auf glattem Boden seine Höhlen graben, so gelangte es bald auf das Grundwasser. Wasser aber meidet es, wie wir wissen.

Das Weibchen hat den ganzen Sommer über Junge. Im Gegensatz zu dem jungen Hasen, der behaart und mit offenen Augen geboren wird, sind die jungen Wildkaninchen unbehaart und öffnen erst am neunten Tage die Augen. Der Unterschied in der Entwicklung der Jungen ist also ebenso groß wie die zwischen jungen Pferden und jungen Hunden.

Während die jungen Hasen auf die blanke Erde oder in eine Bodenvertiefung gesetzt werden, wird für das junge Kaninchen ein warmes Nest bereitet. Die Mutter opfert für die Auspolsterung ihre eigenen Bauchhaare. Am Tage pflegt das Wildkaninchen die Jungen an einer bestimmten Stelle einzugraben. Das schützt sie aber vor der feinen Nase des Fuchses nicht. Ich habe oft Stellen gefunden, wo der Fuchs die Kleinen gewittert und ausgegraben hatte.

Das Wildkaninchen rettet sich vor seinen Feinden dadurch, daß es schnell in seinen Bau flüchtet. Im Sommer wählt es auch eine Deckung. Aber ein Dauerläufer, wie der Hase, ist es nicht. Auf einem freien blanken Felde würde jeder mäßige Hund ein Wildkaninchens einholen. Schon aus diesem Grunde kann ein Wildkaninchen keine Tränkstelle aufsuchen.

Was tut denn nun das Wildkaninchen, da doch jedes Geschöpf Feuchtigkeit zu sich nehmen muß? Es frißt saftige Pflanzen und leckt den Tau, der in unsern Gegenden reichlicher ist, als man gewöhnlich annimmt. Es ist klar, daß eine Wildkaninchenmutter, die Junge säugt, sehr wasserreiche Nahrung zu sich nehmen und lange Zeit Tautropfen lecken muß, um die erforderliche Flüssigkeit zu erhalten.