Vorstehende Erzählungen sind durchaus glaubhaft. Ich habe selbst ähnliche Fälle beobachtet. So kratzte ein Rammler, ein Riesenkaninchen, bei schlechter Laune seinen Besitzer, wenn er ihm Futter vorsetzte, dermaßen, daß dieser nur mit großer Vorsicht hierbei zu Werke ging.
Sieht man von solchen Ausnahmen ab, die doch immer Ausnahmen bleiben, so ist es lächerlich bei einem Streite zwischen Kaninchen und Bulldogge zur Rechtfertigung des Hundes anzuführen, daß das Kaninchen angefangen, und der Hund deshalb das Kaninchen totgebissen habe. Ein Kaninchen wird sich schön hüten, mit einer Bulldogge anzubinden. Aber das Raubtier, das die größere Kraft besitzt, wird stets eine Entschuldigung für sein Tun finden.
[134]. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten?
Mit dem Absatz ihres Kaninchenfleisches an ihre Gäste ist die Familie Lankenheim nicht sehr zufrieden. Trotz der schlechten Zeiten wollen die meisten Gäste Kaninchenfleisch nicht so häufig essen.
Es ist merkwürdig, daß so viele Leute, die sich zunächst mit Begeisterung auf die Kaninchenzucht geworfen haben, so bald davon wieder Abstand genommen haben. Irgendwie scheint hier ein Fehler gemacht worden zu sein.
Wir haben an einer früheren Stelle die Vorzüge der Schweinehaltung bei einfachen Leuten beleuchtet. Mit Schweinefleisch wird Kaninchenfleisch niemals in Wettbewerb treten können, weil Schweinefleisch stets reißend Absatz findet, während bei Kaninchenfleisch die Sache etwas anders liegt.
Es gibt zu denken, daß in England und Frankreich die Kaninchenzucht in der großartigsten Weise blüht. Einzelne Großzüchtereien sollen jährlich 12000 Kaninchen auf den Markt bringen. In Frankreich sollen in Paris vor dem Kriege allein jährlich 3 Millionen Kaninchen verzehrt worden sein, während zu der gleichen Zeit in der Berliner Zentralmarkthalle etwa der sechzigste Teil verkauft wurde.
Dem Geschmack der Franzosen und auch der Engländer muß also das Kaninchenfleisch mehr zusagen als dem unsrigen. Das ist sehr zu bedauern, denn das Kaninchen hat ohne Zweifel als Pelztier eine Zukunft. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, wann die pelzliefernden Raubtiere und sonstigen Tiere ausgerottet oder doch so vermindert sind, daß ihre Felle der Nachfrage nicht mehr entfernt entsprechen können. Dann werden Kaninchen und Hauskatzen mit ihren Fellen als Ersatz dienen müssen.
Die Kaninchenzüchter heben noch den außerordentlichen Wert des Kaninchens als Lederlieferanten hervor. Aus dem Fell eines 65 Zentimeter langen Kaninchens lassen sich nach ihren Angaben das Oberleder für ein Paar Damenschuhe nebst einem Ersatzstück herausschneiden. Dieses Leder ist sehr weich und trägt sich sehr gut.