[132]. Was versteht man unter einer Rasse?

Wir haben schon öfters den Ausdruck Rasse gebraucht und wollen an dieser Stelle ihn etwas näher besprechen, da hier eine günstige Gelegenheit vorliegt.

Unter Rasse versteht man alle diejenigen Mitglieder einer Tierart, die gewisse Merkmale gemeinsam besitzen. Diese Merkmale sind nicht so bedeutend, daß sie zur Aufstellung einer besonderen Tierart berechtigen.

Also das Silberkaninchen ist nur eine Rasse von der Tierart Kaninchen, weil sich die Silberkaninchen von dem Wildkaninchen und den andern Kaninchenrassen unterscheiden. Diese Unterscheidung ist aber nicht so bedeutend, daß man sagen könnte, das Silberkaninchen wäre eine besondere Tierart.

Dagegen bilden Hase und Kaninchen trotz großer Aehnlichkeit nicht nur verschiedene Rassen, sondern verschiedene Tierarten. Die längeren Hinterbeine des Hasen, die Rettung durch die Flucht ins freie Feld, das Werfen von Jungen, die sofort behaart sind, können nicht als unbedeutende Unterschiede aufgefaßt werden. Auch ist das Kaninchen kleiner, hat einen kürzeren Kopf und kürzere Ohren.

Von durchgezüchteten Rassen spricht man erst dann, wenn sie ihre Eigentümlichkeiten dauernd vererben.

Ein Rassetier hat also den Vorzug, daß ich auf gewisse Eigentümlichkeiten, auf die ich Wert lege, bei der Nachkommenschaft rechnen kann. Bei rasselosen Tieren ist das nicht der Fall.

[133]. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen.

Das Kaninchen gehört im allgemeinen zu den furchtsamsten und ergebungsvollsten Geschöpfen, das sich von jedem Kinde alles mögliche gefallen läßt. Von seinen Zähnen macht es eigentlich niemals Gebrauch. Trotzdem fallen sie beispielsweise über fremde Kaninchen manchmal wütend her und suchen sie totzubeißen. Ein junger Hase, den man zu Kaninchen bringt, wird wohl stets totgebissen.

Alte Rammler beißen nicht nur häufig ihre eigenen Jungen tot, sondern sie werden hin und wieder auch gegen andere Tiere geradezu angriffslustig. Ein Naturforscher führt hierfür folgende Beispiele an. Ein Verwandter von ihm hielt einen alten Kaninchenrammler bei seinen Lämmern. Als die Fütterung mit Esparsettheu begann, behagte das dem alten Herrn so gut, daß er alles für sich allein mit Beschlag belegen wollte. Er setzte sich also neben das Heu, grunzte und biß nach den Lämmern, um diese Tiere zu verscheuchen. Als das nicht genügend half, sprang er einem Lamm auf den Hals und biß es tüchtig. Natürlich wurde er beim Wickel gepackt und fortgebracht. Ein anderer Rammler führte einen solchen Kampf sogar mit Ziegen. War das Futter nach seinem Geschmack, so suchte er junge Ziegen dadurch zu vertreiben, daß er ihnen die Beine blutig biß. Alten Ziegen sprang er in das Genick und biß ihnen die Ohren blutig. Selbstverständlich wurde der Bösewicht abgeschafft.