Es ist richtig, das Männchen, den Rammler, von den Jungen zu trennen. In der Freiheit hat die Mutter Gelegenheit, die Jungen vor ihm zu schützen. Uebrigens macht der Wildkaninchenvater den Eindruck, daß ihm das Wohlergehen seiner Nachkommenschaft von Wichtigkeit ist. Sonst sind die Väter bei den Säugetieren bekanntlich keine Musterväter.
Wie das Wildkaninchen, so vergräbt auch häufig das zahme Kaninchen seine Jungen. Ordentlich komisch sieht es dann aus, wie es mit der gleichgültigsten Miene von der Welt allein in der Nähe umherrennt, als ob es von gar nichts wüßte. So ganz fern von Verstellung ist also selbst ein Kaninchen nicht.
Das zahme Kaninchen steht also geistig höher, als man gewöhnlich annimmt. Das ist auch ganz naturgemäß, denn das Wildkaninchen wird kein Jäger für ein dummes Tier erklären. Die Sache liegt ähnlich beim Schwein. Auch dieses ist nicht so dumm, wie man es gewöhnlich hinstellt. Es läßt sich abrichten und kann sogar den Hund bei der Jagd ersetzen, da es eine feinere Nase als der Hund besitzt. Auch hier findet sich eine Uebereinstimmung mit den geistigen Gaben der Stammeltern. Denn auch das Wildschwein zeigt sich bei der Jagd durchaus nicht beschränkt.
Leider nimmt das Kaninchen in der Gefangenschaft manchmal die ungeeignetsten Gegenstände zum Verbergen der Jungen, beispielsweise den irdenen Futternapf. Natürlich können dadurch die zarten, kahlen Dingerchen leicht getötet werden. Man kann in dieser Hinsicht gar nicht vorsichtig genug sein und muß daher Vorsichtsmaßregeln treffen, die solche Unfälle ausschließen.
[131]. Die Rassen des Kaninchens.
Das Kaninchen stammt, wie wir schon erwähnten, aus den Ländern, die am Mittelländischen Meer gelegen sind, und soll zuerst in Spanien gezüchtet worden sein. Unser deutsches Kaninchen war zwar sehr anspruchslos und fruchtbar, konnte sich jedoch mit den Leistungen der westeuropäischen Kaninchen nicht messen. Das deutsche Kaninchen ist daher mit dem belgischen oder flandrischen Riesenkaninchen gekreuzt, wodurch man das neue deutsche Kaninchen gezüchtet hat.
Sonst wären noch erwähnenswert das belgische Hasenkaninchen, das französische Widderkaninchen, das Normandiner Kaninchen, das patagonische Kaninchen usw.
Sehr geschätzt wegen seines Seidenhaares ist der Seidenhase oder das Angorakaninchen. Ebenso ist beim Silberkaninchen das Fell sehr wertvoll, und das Fleisch gut.
Als selbstverständlich gilt die fruchtbare Paarung zwischen Kaninchen und Hasen, woraus die sogenannten Leporiden entstehen. In Wirklichkeit ist sie sehr selten, und nach der neuesten Auflage von Brehms Tierleben überhaupt erst ein einziger Mischling wissenschaftlich nachgewiesen worden.