Die Fütterung der Frettchen besteht gewöhnlich aus Milch und Semmeln. Wir haben unsern Frettchen hin und wieder stets tierische Nahrung gegeben, also Sperlinge und andere Vögel.
Wenn ein Tier, das an tierische Speise gewöhnt ist, plötzlich nur Pflanzenkost erhält, dann sucht es sich irgendwie Ersatz. Hühner rupfen sich die Federn aus und werden Eierfresser, Sauen und Mäuse fressen ihre eigenen Jungen. Darauf haben wir schon wiederholt hingewiesen (Kap. [106]).
So hat das Frettchen bei den einfachen Leuten wahrscheinlich nur Pflanzenkost erhalten, wie das so üblich ist. Eines Tages hat es beim Umherkriechen das junge Menschenfleisch gewittert, das Raubtier ist in ihm erwacht, und das Unglück ist geschehen.
Wehrlose Kinder soll man also mit einem Frettchen nicht unbeaufsichtigt in demselben Raume lassen.
Manche warnen auch vor der Haltung einer Katze, weil sie sich auf den Säugling in der Wiege legen und ihn totdrücken kann. Trotz aller Bemühungen habe ich einen solchen Fall bisher nicht feststellen können. Da aber die Möglichkeit besteht, so ist Vorsicht unbedingt am Platze.
[140]. Das Frettchen in Redensarten und Sprichwörtern.
Vom Frettchen finde ich keine Redensarten oder Sprichwörter angeführt. Dagegen hat der Iltis oder Ratz, der Stammvater des Frettchens, zur Redensart Anlaß gegeben:
Er schläft wie ein Ratz.
Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß ich in einem sehr iltisreichen Jagdgebiet den Iltis stets schlafend in der Kastenfalle vorgefunden habe. Die Redensart: Er schläft wie ein Ratz – nicht Ratte – ist also ganz der Wirklichkeit entsprechend.