Die Hühner gehören zu den schlechten Fliegern. Ja, der Strauß, der größte von den Hühnervögeln, kann gar nicht fliegen.

Bei der Jagd auf Rebhühner kann man erleben, daß die Hühner bei starkem Winde nicht auffliegen wollen. Sind sie ein paarmal geflogen, so haben sie genug davon und wollen nicht mehr.

Als Ersatz für die schwache Fliegekunst sind die Hühner vorzüglich auf den Beinen. Das Huhn ist der richtige Beinvogel. Es rennt vorzüglich. Hat man einen Fasanen geschossen und nur flugunfähig gemacht, so hat man ihn noch lange nicht. Er rennt davon mit einer Schnelligkeit, daß man ihn ohne Hund nicht bekommt. Dagegen kann eine wilde Taube, die man in gleicher Weise verwundet, nicht von der Stelle fort.

Wirklich hervorragende Flieger haben kleine Füße. Der Mauersegler, der vom 1. Mai bis zum 1. August die Höhen von Berlin durcheilt, ist wohl unser bester Flieger. Er tummelt sich den ganzen Tag in der Luft. Seine Füßchen sind so klein, daß sie nur zum Ankrallen dienen. In der Tierkunde führt er den Namen »der Fußlose«, was natürlich übertrieben ist.

Je kleiner die Füße, desto weniger Gepäck hat der fliegende Vogel zu tragen. So kann man schon an den Beinen ungefähr erkennen, was für einen Flieger man vor sich hat.

Tauben gehören zu den guten Fliegern. Mit den Mauerseglern können sie sich natürlich nicht messen. Entsprechend ihrem guten Fluge haben sie kleine Füßchen, mit denen sie nicht rennen, sondern eigentlich nur trippeln können. Bei drohender Gefahr läuft daher das Huhn fort, während die Taube fortfliegt. Das Huhn hat das bißchen Fliegerkunst, die es als wildes Tier noch besaß, als Haustier fast völlig eingebüßt. Ueber einen mannshohen Zaun zu fliegen, kostet ihm schon Anstrengung.

Für uns Menschen ist es natürlich ganz angenehm, daß das Huhn kaum fliegen kann. Es erleichtert uns die Ueberwachung.

Die Verluste, die wir bei Tauben haben, daß sie in fremde Schläge verlockt werden, oder sonst bei ihren Flügen verloren gehen, kommen bei den Hühnern nicht in solchem Maße vor.

Die kräftigen Beine der Hühner sind zum Scharren wie geschaffen und werden fleißig dazu benutzt. Nicht mit Unrecht spricht Goethe von Frau Kratzefuß. Sonst sagt man, der Hahn macht Kratzfüße. Wenn er sich vor seinen Damen verbeugt, macht er nämlich Kratzfüße, indem er die Beine bewegt, als wenn er scharren wollte.