Erstens muß er auch im Sommer sehr viel Futter kaufen. Wie soll er für die Unmenge Hühner die erforderliche Nahrung herbeischaffen? Auf einem Bauernhofe gibt es reichlichen Abfall, da sich in dem Miste zahlreiche Larven und Würmer aufhalten.
Zweitens ist die Nahrung, die der Geflügelzüchter kauft, häufig nicht naturgemäß. Im Frühjahr will das Huhn tierische Nahrung haben. Deshalb reißen sich Hühner, die man eingesperrt hat und nur mit Körnern füttert, zu dieser Zeit die Federn aus oder beißen sich gegenseitig die Kämme blutig (vgl. Kap. [106]).
Drittens braucht der Züchter im Gegensatz zu dem Bauern Personal, was heute ganz besonders ins Gewicht fällt.
Viertens fehlt den Hühnern die Bewegung und sie erkranken leicht.
Fünftens häuft sich der Unrat auf einem kleinen Flecke. Das ist aber die günstigste Vorbedingung für den Ausbruch einer Seuche.
Das Ende vom Liede ist gewöhnlich eine Seuche, die den ganzen Hühnerbestand dahinrafft.
Bei Wildparken und Jagdrevieren liegt die Sache ganz ähnlich. Je weniger Wild ein Jagdrevier enthält, desto gesünder ist es. Dagegen sind Seuchen an der Tagesordnung, sobald eine Ueberfüllung der Bezirke stattfindet.
In den Großstädten bestehen ebenfalls Gefahren durch zu große Besiedelung eines kleinen Bezirkes. Hier hat der Mensch durch Kanalisation, d. h. durch Fortleitung des Unrats die Macht der Seuchen gebrochen.
Es wäre also sehr wohl denkbar, daß auch die Geflügelzuchten einen ähnlichen Ausweg finden.
Auf der einen Seite ist es beklagenswert, daß wir so viel Eier aus dem Auslande einführen müssen. Darum soll jede Vermehrung unseres Hühnerbestandes unterstützt werden. Auf der andern Seite raten selbst die begeistertsten Züchter davon ab, daß ein Neuling ein großes Kapital in die Geflügelzucht steckt. Erst soll er klein anfangen und sich den Rat eines erfolgreichen Züchters einholen. Es gibt zu viele Dinge, die man nur aus der Praxis lernen kann.