[147]. Die naturgemäße Behandlung des Huhns.

Wenn wir bedenken, daß ein Huhn jährlich etwa 150 Eier legen oder eine Brut von einem Dutzend Jungen hochbringen kann, so müßte man meinen, daß die Hühnerzucht ein sehr lohnender Betrieb ist. Ich kenne Großstädter, die so durchdrungen waren von der Richtigkeit ihrer Berechnung, daß sie ihren Beruf aufgaben und auf dem Lande eine Geflügelzucht einrichteten. Es hat nur einige Jahre gedauert, dann hatten sie die Lust zum Betriebe verloren und obendrein ein nicht unerhebliches Vermögen. Selbstverständlich spreche ich hier von Friedenszeiten vor dem Kriege.

Warum will in diesem Falle Theorie und Wirklichkeit so gar nicht übereinstimmen?

Stellen wir uns vor, daß ein Bauer auf seinem Hofe etwa 20 Hühner hält. Diese Hühner werden morgens zeitig aus dem Stall gelassen und treiben sich den Tag über auf dem Hof oder in der Umgebung umher. Dabei hat der Bauer folgende Vorteile:

Erstens kosten ihm die Hühner den Sommer über fast gar kein Futter.

Zweitens ist das Futter, das sie fressen, für sie naturgemäß.

Drittens können die Hühner fleißig scharren und haben viel Bewegung, was für ihre Gesundheit von großer Bedeutung ist.

Viertens verteilen die Hühner am Tage ihren Unrat an den verschiedensten Stellen, so daß eine Anhäufung nicht stattfindet.

Bei dem Großstädter, der eine großartige Geflügelzucht eingerichtet hat, liegt die Sache ganz anders.