Früher, als wir von der Schwierigkeit des Fliegens keine Ahnung hatten, konnten wir solche Flüge der Taubenschwärme für ganz selbstverständlich halten. Wir sahen sie eben alltäglich und regten uns weiter nicht darüber auf.
Heute, wo zahllose Flieger verunglückt sind, weil sie in der Luft mit einem andern Flieger zusammengestoßen sind, muß der Schwarmflug der Vögel auf uns den tiefsten Eindruck machen. Woher kommt es, daß die Vögel trotz größter Nähe niemals miteinander zusammenprallen?
Selbst so schlechte Flieger wie die Rebhühner fliegen in einer ziemlichen Anzahl. Der Jäger spricht von einer »Kette« oder einem »Volk« Rebhühner.
Noch auffallender ist das Schwarmfliegen bei den Staren. Auch der Star ist kein berühmter Flieger, und doch bildet er im Spätsommer, wenn die zweite Brut flügge geworden ist, bei seinen Flügen ordentlich eine lebendige Kugel. Diese Kugel aus Vogelleibern dreht sich nach einer bestimmten Richtung, wobei alle fliegenden Vögel mit größter Genauigkeit ihren Platz einnehmen, und keiner durch Tolpatschigkeit eine heillose Verwirrung anrichtet.
Ich habe oft erfahrene Tierbeobachter gefragt, ob sie jemals den Zusammenprall zweier Vögel eines Schwarmes in der Luft wahrgenommen haben. Niemand wußte etwas davon. Auch die Jagdzeitungen habe ich daraufhin seit vielen Jahren durchgesehen. Der einzige Fall, der mir vor Augen gekommen ist, ist folgender: Ein Landwirt erzählte, daß er bei einer Hühnerjagd den Zusammenstoß zweier Rebhühner beobachtet habe. Die Erklärung liegt darin, daß das eine der beiden Hühner durch Schrote verletzt war. Trotzdem hat er, der Erzähler, in seiner dreißigjährigen Jägerzeit einen ähnlichen Fall noch niemals erlebt und deshalb berichtete er ihn an die Jagdzeitung.
Darüber sind sich also wohl alle Tierkenner einig, daß Zusammenstöße unter Vogelschwärmen zu den allergrößten Seltenheiten gehören.
Wie vermeiden die Vögel diese Gefahr, die soviel Fliegerleben in unsern Reihen kostet?
Jedenfalls werden sie außerordentlich durch die Stellung ihrer Augen unterstützt. Alle Vögel, die in Schwärmen fliegen, haben die Augen seitlich zu sitzen. Wir sehen, daß es ganz verkehrt wäre, wenn die Tauben ihre Augen, wie der Mensch, nach vorn gerichtet hätten. Sie können bei seitlicher Stellung der Augen den Abstand vom Nachbarn viel leichter innehalten.
Wahrscheinlich sind auch die Augen der Vögel im Innern so gebaut, daß sie das Schwarmfliegen ohne große Anstrengung ausführen können. Wenigstens befindet sich im Auge mancher Vögel ein Organ, über dessen Bedeutung man sich noch nicht klar ist.