[165]. Naturgemäße Fütterung und Haltung der Tauben.
Die Felsentauben als Stammeltern unserer Haustauben verzehren alle Arten unseres Getreides, ferner die Sämereien von Raps, Rübsen, Linsen, Erbsen, Lein usw., vor allen Dingen aber die Körner der Vogelwicke, die ein höchst lästiges Unkraut ist. Man hat die Haustauben, die den gleichen Speisezettel besitzen, deshalb für schädlich erklärt, da sie den Landwirten, namentlich zur Saatzeit, viele Körner wegfräßen. Das führte auch zur Zerstörung der etwa 50000 Taubentürme in Frankreich, als die Revolution 1789 ausbrach. Heute denkt man über die Schädlichkeit der Tauben etwas anders. Gewissenhafte Naturforscher haben sorgsam den Inhalt von Kropf und Magen gezählt. Dabei ist festgestellt worden, daß in einer einzigen jungen Taube die Körner und Samen von Unkraut über 3000 zählten. Auch vertilgen die Tauben eifrig Schnecken. Der Nutzen der Tauben dürfte also ihre Schädlichkeit erheblich überwiegen. Ferner brauchen die Tauben Salz, Lehm und Mörtel, außerdem Badegelegenheit und reines Trinkwasser.
Da die Felsentauben in dunkeln Höhlen der Felsen brüten, so soll man auch den Haustauben keine hellen Brutplätze anweisen. Die Zweckmäßigkeit von Taubenschlägen und Taubenhäusern ist bereits hervorgehoben worden.
Von den Feinden der Tauben sind die Raubvögel schon genannt worden. Von vierfüßigen Räubern sind Katze, Marder, Wiesel und Ratten zu nennen.
Da die Taube die Gesellschaft liebt, so verliert man manche Taube, die sich von einem größeren Schwarm als der ihrige ist, angezogen fühlt. Es gibt Taubenhalter, die das Einfangen fremder Tauben als Besonderheit betreiben und darin Meister sind.
[166]. Die Rassen der Haustauben.
Die Zähmung der Felsentaube ist bereits in vorgeschichtlicher Zeit erfolgt. Der Felsentaube ähnelt noch sehr der Feldflüchter, der sich am liebsten vom Menschen freimacht und seine Nahrung auf eigene Faust sucht.
Von den zahllosen Rassen seien hier folgende angeführt. Die Trommeltauben, die Tümmler, die sich während des Fluges rückwärts überschlagen, die Perücken- und Mähnentauben, die Möwchen, die Pfautauben, die schon erwähnten Brieftauben, die Riesentauben und die Huhntauben.
Die Täubin legt gewöhnlich vier- bis achtmal im Jahre je zwei Eier, die von ihr mit Unterstützung des Täuberichs in 16 bis 18 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen sind Nesthocker und werden bis zur Ausbildung des Gefieders von beiden Eltern aus dem Kropfe gefüttert, in dem sich ein milchartiger Brei befindet. Da die Täubin häufig zur zweiten Brut schreitet, ehe die Jungen der ersten Brut das Nest verlassen haben, so braucht jedes Taubenpaar zwei nebeneinander befindliche Nistkästen.
Manche Haustauben werden fünfzehn Jahre alt.