Hervorragend geschätzt sind die Federn des Schwans wegen ihrer Farbe und Weichheit. Mit der Schönheit des Tieres steht sein Wesen wenig im Einklang. Er zeigt sich nach unsern Begriffen selbstbewußt und herrschsüchtig. Vom Standpunkte des Schwanes aus dürften sich diese Eigenschaften sehr wohl erklären lassen.
[183]. Der Schwan in Redensarten und Sprichwörtern.
Schwanengesang.
Wir in Deutschland kennen hauptsächlich den Höckerschwan, der nur zischt, aber nicht singt. In nördlichen Ländern lebt aber der gleichgroße Singschwan, der keinen Höcker trägt. Dieser führt seinen Namen mit Recht. In den kalten Winternächten soll der Gesang einer Schar Singschwäne sehr schön klingen. Manche behaupten, daß der Singschwan besonders vor seinem Tode sänge, was von andern bestritten wird. Wahrscheinlich haben die alten Griechen, die zuerst von dem Schwanengesang in diesem Sinne sprechen, aus dem Gesang die Todesahnung herausgehört. Sie haben ebenso bei der Nachtigall die Anklage wegen eines Kindesmordes herausgehört.
Die Schwäne galten als besondere Lieblinge des Apollo, des Gottes der Dichtkunst. Daher werden Dichter geradezu als Schwäne bezeichnet, so Shakespeare (Schähkspir) als Schwan von Avon (ew'n oder äw'n), da er am Avon geboren ist.
Schwanengesang ist also die letzte bedeutende Leistung, die jemand angesichts seines bevorstehenden Todes vollbringt, wie das Sterbelied des Schwans.
Schwanen.
Da der Schwan seinen Tod vorher wissen soll und überhaupt, wie viele Vögel, nach dem Volksglauben (Kap. [36]) in die Zukunft blicken kann, so bedeutet es: dunkel ahnen.
Nach der schneeweißen Farbe des Schwans gibt es zahlreiche Zusammensetzungen, die hierauf Bezug nehmen, beispielsweise
Schwanenhals.