Außer den Silberfischen züchtet man schwarze und bunte Rassen. Vom japanischen Goldfisch hat man Fische mit vorstehenden Augen, sogenannte Teleskopfische, und Schleierschwänze mit doppelten Schwänzen gezüchtet.
[193]. Wie richte ich ein Aquarium ein?
Die früheren dickbauchigen Goldfischgläser haben drei schwere Nachteile. Erstens kommt das Wasser mit der Luft nicht an dem größten Durchmesser des Glases in Berührung. Zweitens fehlen den Goldfischgläsern die Pflanzen. Drittens muß wegen des Pflanzenmangels das Wasser allwöchentlich erneuert werden. Zu diesem Zweck müssen die Tiere herausgenommen werden. In der Regel spielt sich der Vorgang folgendermaßen ab. Zunächst werden die Fische mit dem Käscher herausgefangen, was ohne arge Beunruhigung der Tiere unmöglich ist. Das Wasser im Goldfischglase hat natürlich die Temperatur des Zimmers angenommen. In der Zwischenzeit kommen sie günstigenfalls in Wasser mit gleicher Temperatur. Das neue Wasser im Goldfischglase pflegt ganz frisch aus der Wasserleitung genommen zu werden. Die Fische, die abermals gefangen werden müssen, benehmen sich infolge des Temperaturwechsels höchst aufgeregt. Man hält das allgemein für ein Zeichen des Wohlbefindens, während das Gegenteil zutrifft.
Nur ein seit Jahrhunderten gezüchteter Fisch, der als früherer Karpfen an schlechtes Wasser gewöhnt ist, kann jahrelang solche Martern aushalten.
Es soll hier nicht von großen teueren Aquarien die Rede sein. Selbst diejenigen, die aus einem Metallgerüst mit eingekitteten Glasscheiben bestehen, sollen hier außer Betracht bleiben. Sie erfordern bereits einen besonderen dreibeinigen Tisch und eine besondere Stellung am Fenster, so daß sie unter den heutigen Verhältnissen von dem Durchschnittsmenschen nicht eingerichtet werden können.
Es soll vielmehr nochmals darauf hingewiesen werden, daß die bisherigen Goldfischgläser gewissermaßen eine ungewollte Tierquälerei zur Folge hatten. Darum soll jemand, der überhaupt Wassertiere halten will, unter allen Umständen viereckige Gläser wählen. Auch kleine Gläser lassen sich bereits mit Pflanzen besetzen. Die Pflanzen sind aber durchaus notwendig, weil sie Sauerstoff an das Wasser abgeben und dadurch einen Wechsel des Wassers nur selten, manchmal gar nicht nötig machen. Ein sicheres Zeichen, daß das Wasser zu sauerstoffarm ist, besteht darin, daß die Fische an die Oberfläche kommen, um Luft zu schnappen.
In den Aquariumhandlungen kann man die für die Pflanzen notwendige Erde erhalten. Sie besteht gewöhnlich aus guter Moorerde, die mit Torfgrus gemischt ist. Dieser Mischung sind alter, verwitterter Lehm und Flußsand zugesetzt. Hierüber kommt eine einige Zentimeter dicke Schicht von einem Sand, der vorher sorgfältig ausgewaschen ist. In einer Ecke des Aquariums macht man die Bodenschicht weniger hoch, so daß sich ein Schlammfang bildet, aus dem mittels eines Gummischlauches die Futterreste und Unrat entfernt werden.
Die eingepflanzten Wasserpflanzen müssen zwei bis drei Wochen ohne Fische stehen, damit sie festwurzeln und das Wasser sich klärt.
In einem solchen vier- oder mehreckigen Glase mit Pflanzen und Sand fühlen sich die Tiere wohl und halten sich viel länger als im blanken Wasser. Jeder Teich, jeder Dorfpfuhl kann Bewohner für ein solches Aquarium liefern. Der wirkliche Tierfreund kann sich nicht satt sehen an dem Neuen und an den Schönheiten, die er bei sorgfältiger Betrachtung selbst bei den unscheinbarsten Geschöpfen entdeckt.