Um recht bald Futter zu erhalten, ist die Anpflanzung des Maulbeerbaums in Hecken am zweckmäßigsten. Obendrein ist dadurch das Füttern erleichtert.
Hat man Futter, so besorgt man sich seuchenfreie Eier. Manche heizen das Zimmer, bis eine Temperatur von 22 bis 25 Grad Celsius vorhanden ist. Andere halten eine Temperatur von 15 bis 18 Grad für durchaus hinreichend. Das ist bei den heutigen hohen Preisen für Brennstoffe von großer Wichtigkeit.
In 10 bis 15 Tagen schlüpfen die jungen Raupen aus den Eiern. Sie müssen regelmäßig gefüttert und sorgfältig umgebettet werden. Nach mehrfacher Häutung hört die Raupe auf zu fressen und spinnt sich ein, wodurch die Kokons entstehen. Die Kokons werden gesammelt, und der in ihnen befindliche, zum Auskriechen bereite Schmetterling durch Wasserdämpfe getötet. Würde man die Kokons nicht einer so hohen Hitze aussetzen, so würde der Schmetterling sich einen Ausweg aus dem Gespinst bahnen, wodurch der Wert des Gespinstes erheblich gemindert wird.
Nur die zu Zuchtzwecken bestimmten Kokons läßt man auskriechen. Die Schmetterlinge paaren sich und sterben bald darauf, nachdem vorher das Weibchen Eier gelegt hat.
Pasteur hat diese Paarung in kleinen Tüllsäcken vor sich gehen lassen. Nach dem Tode werden die Schmetterlinge untersucht, und nur die Eier von gesunden Tieren zur weiteren Zucht verwendet.
Nach dem Besuch unseres Aquariums ersehe ich aus den Zeitungen, daß bei Wertheim eine Seidenraupenzuchtausstellung stattfindet. Veranstaltet wird sie von dem Gemeinnützigen Verband für Seidenbau in Deutschland E. V. zu Berlin-Wilmersdorf, Brandenburgische Straße Nr. 36.
Von dem Vorhandensein eines solchen Verbandes wußten demnach alle von mir befragten Stellen nichts.
Wir begeben uns auch zu dieser Ausstellung, wo etwa das gleiche wie im Aquarium zu beobachten ist. Nur ist das Material hier umfangreicher.
Von Wichtigkeit ist, daß der Verband seuchenfreie Eier und Maulbeerpflänzlinge liefert. Ebenso ist er Abnehmer der Kokons. Auch kann man von ihm eine Broschüre erhalten, die alles nähere über die Seidenraupenzucht enthält (Preis 1,25 Mk.).
Auch in diesem Falle beobachten wir wieder, daß die größte Gefahr von der unnatürlichen Ansammlung des Unrats herrührt. Unter freiem Himmel fällt der Unrat der Raupen an die Erde, und die Tiere selbst werden gar nicht davon berührt. Bei der Zucht im Zimmer muß also für schnelle Beseitigung gesorgt werden.