Es ist merkwürdig, daß die Wirkung des Bienenstiches bei den einzelnen Menschen sehr verschieden ist. Die Imker sind dagegen immun oder gefeit, weil sie gewöhnlich bei ihnen gar keine Wirkungen hervorrufen.

Da fast alle Tiermütter sich für ihre Nachkommen opfern, so ist es nicht wunderbar, daß es auch die Bienen tun.

Die Stechlust vor dem Gewitter dürfte sich in folgender Weise erklären: Die Bienen haben ein Vorgefühl dafür, daß Regen kommen wird. Der Regen hindert sie am Eintragen. Daher haben sie es besonders eilig, um vorher noch alles zu schaffen, und empfinden Störungen besonders unangenehm.

Es ist merkwürdig, daß die Biene auf schwitzende Menschen erbost ist. Man sollte annehmen, daß sie, die als Muster des Fleißes gilt, den schwitzenden Menschen besonders liebt. Uebrigens macht man bei Wanderungen im Sommer ähnliche Beobachtungen. Sobald man in Schweiß gerät, wird man von den Mücken besonders überfallen. Das kommt sicherlich daher, daß ein schwitzender Mensch eine besonders starke Ausdünstung hat. Die Biene hat einen äußerst feinen Geruch, was man aus verschiedenen Umständen schließen muß. Wir werden gleich darauf zu sprechen kommen. Die Biene hat also entweder Abneigung gegen Schweißgeruch oder sie riecht einen fremden schwitzenden Menschen sofort und sticht naturgemäß ihn eher als andere Menschen.

Weiße Gegenstände üben auf alle Insekten große Anziehungskraft aus. Das weiß die Hausfrau sehr wohl von ihrer Wäsche, die sie auf dem Rasen ausgebreitet hat.

Ein ausziehender Schwarm ist deshalb nicht so stechlustig, wie man meinen sollte, weil er eine neue Wohnung sucht. Wer neue Verhältnisse aufsucht, ist auf Störungen gefaßt und wird gegen sie nicht sehr empfindlich sein.

Herr Böhm erklärte die größere Stechlust der Bienen gegen Frauen damit, daß sich die Bienen häufig in den langen Haaren der Frauen verwickelten. Sie werden dann ganz rasend, weil die Frauen, anstatt ruhig zu bleiben, nach den Bienen schlagen, wodurch sie noch aufgeregter werden.

Diese Ansicht mag richtig sein. Vielleicht liegt aber noch ein anderer Grund vor.

Ich bin selbst nur einige Male gestochen worden, und ausgerechnet jedesmal im Sommer, wo ich kurzgeschorenes Haar trug. Von einem Verwickeln der Bienen konnte gar keine Rede sein, denn in Haaren von zehn Millimeter Länge kann sich keine Biene verheddern. Da bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß hier die Angriffslust aus der Lebensweise der wilden Biene zu erklären ist.

Die wilde Biene hat als gefährliche Feinde unter den Säugetieren bei uns Bär und Marder, in heißen Ländern wahrscheinlich die Affen. Haarige Gestalten, die sich dem Bienenkorb nähern, können also die Wut der Bienen erregen. Es genügen aber schon haarige Stellen am menschlichen Körper.