Wir Menschen sind der Ansicht, daß, wenn man eine so kunstvolle Arbeit ausführt, man gar nicht Licht genug beim Arbeiten haben kann. Die Bienen aber führen dieses Kunstwerk aus ohne die geringste Beleuchtung. Ja, wenn der Mensch ihnen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern, Licht beschafft, so wollen sie von der Beleuchtung nichts wissen und bauen nicht.

Wir wissen schon, was wir tun müssen, um eine Erklärung für dieses Rätsel zu finden. Wir müssen fragen: Wie bauen die wilden Bienen? Da erhalten wir die übereinstimmende Antwort, daß sie in den dunkeln Höhlungen von Baumstämmen ihr Heim aufschlagen.

Die Bienen haben also seit Urzeiten im Dunkeln ihre Bauten ausgeführt. Als der Mensch die Bienen wegen des Wohlgeschmacks des Honigs als Haustiere gewinnen wollte, da hat er ihnen zunächst eine Wohnung ebenfalls in Baumstämmen, in sogen. Beuten, angewiesen.

Solche Bienenstöcke in Baumstämmen waren sehr naturgemäß, aber sie hatten den Nachteil, daß man sie häufig nicht in der Nähe hatte. Da war also ein Bienenhaus schon bequemer. Denn ein solches konnte man als Ersatz für den Baumstamm auf seinem Grundstück errichten. Am bequemsten ist natürlich ein Bienenkorb, weil er im Gegensatz zum Baumstamm beweglich ist. Bienenkörbe kann man also von Ort zu Ort bringen. Das ist besonders für den Bienenwirt von größter Wichtigkeit, der seine Bienen nach Stellen hinbringt, wo das Einsammeln von Honig besonders günstig ist. Beispielsweise geschieht das in Heidegegenden, wenn das Heidekraut blüht.

Die Bienen bauen also heute noch im Dunkeln, weil sie seit Urzeiten in dunkeln Höhlungen gebaut haben.

[198]. Wann stechen die Bienen am meisten?

Herr Böhm erzählt uns weiter, daß er für seine Person sich gegen Stiche so gut wie gar nicht schützt. Es kommt nur ausnahmsweise vor, daß er von seinen Bienen gestochen wird. Nach seinen Beobachtungen sind die Bienen am stechlustigsten, wenn ihre Brut gefährdet ist, man also Zellen, die Brut enthalten, zu beseitigen sucht. Sodann sind sie vor Ausbruch eines Gewitters sehr zum Stechen geneigt. Dagegen sind sie viel weniger stechlustig, wenn sie sich zum Schwärmen anschicken. Im übrigen ist ihm noch aufgefallen, daß Personen, die schwitzen, viel leichter gestochen werden als andere. Ebenso werden Frauen eher gestochen als Männer. Menschen in weißen Hemden oder überhaupt in hellen Kleidungen werden ebenfalls viel häufiger gestochen als andere.

Es ist nicht leicht, für die verschiedene Stechlust der Bienen eine Erklärung zu geben. Es ist anzunehmen, daß die Bienen den Imker mit der Zeit kennenlernen und ihn deshalb mit ihren Stichen verschonen. Hierzu haben sie insofern begründete Veranlassung, als ihnen ihre Waffe teuer zu stehen kommt. Der Stich kostet ihnen selbst das Leben, was nach unseren Begriffen höchst unzweckmäßig ist. Wer wird einen Gegner in einen Abgrund stürzen, wenn er weiß, daß er selbst von ihm in die Tiefe mit hinabgerissen wird?

Da eine Biene überhaupt nur sechs Wochen lebt und ein Volk, wie wir wissen, aus 30- bis 60000 Bienen besteht, so ist es klar, daß ein Bienenleben gar keine Rolle spielt. Die Biene soll nicht nutzlos stechen, und das geschieht am besten dadurch, daß ihr der Stich selbst das Leben kostet.

Der Stachel mit dem Widerhaken bleibt nämlich sitzen, da er nicht zurückgezogen werden kann. So verliert die Biene das Ende ihres Hinterleibes, was ihren Tod zur Folge hat. Wenigstens ist das allgemeine Ansicht.