Auch Karo und Hektor haben uns als alte Bekannte freundlich begrüßt, zumal wir ihnen etwas Gutes mitgebracht haben. Als wir uns jedoch den Bienenständen nähern, verlassen sie uns. Sie haben anscheinend bereits üble Erfahrungen mit den Stichen der Bienen gemacht und wünschen nicht, nochmals gestochen zu werden.

Wie uns Herr Böhm weiter erzählt, ist ihm das Schwärmen der Bienen auch aus dem Grunde sehr unerwünscht, weil heute das Durchfüttern der Völker im Winter eine ganz andere Sache ist als früher. Im Winter tragen die Bienen naturgemäß nichts ein. Sie müssen alle von den gesammelten Vorräten leben. Es müssen also gewissermaßen die im Sommer gemachten Ersparnisse angegriffen werden. Diese sind jedoch bald zu Ende, da der Mensch den Bienen den größten Teil ihrer Ersparnisse abnimmt. Es muß also ein Ersatz geschaffen werden, wenn, was häufig der Fall ist, ungünstige Witterung ein Ausfliegen der Bienen noch nicht gestattet. Damit die Tiere nicht verhungern, müssen sie also gefüttert werden. Früher standen dem Imker oder Bienenwirt zu diesem Zwecke der sehr billige Zucker und der fast wertlose Honig in unbegrenzter Menge zur Verfügung. Heute sind die Verhältnisse vollkommen geändert worden.

Wir können uns natürlich kein Urteil darüber erlauben, ob die Angaben unseres Bekannten zutreffend sind. Jeder Beruf schildert seine Einnahmen in den schwärzesten Farben. Aber wir wissen, daß Zucker und Honig gegenwärtig sehr teuer sind.

Darüber kann wohl kein Zweifel bestehen, daß die Bienenwirtschaft – mehr als 2 Millionen Stöcke – für Deutschland von der größten Bedeutung ist. Von ihr hängt unsere Obsternte ab, da die Bienen durch den Besuch der Blüten die Befruchtung vermitteln. Ferner brauchen Raps, Rübsen, Klee und andere Nutzarten ebenfalls die Bienen.

Wir sind in der Nähe des Bienenstocks angelangt und müssen uns natürlich auf einen Bienenstich gefaßt machen. Herr Böhm erklärt uns näher, aus welchen Anzeichen er auf ein Schwärmen der Bienen schließt.

Einmal seien die Bienen sehr aufgeregt. Bei regelmäßig arbeitenden Bienen kann man ein gemessenes Benehmen beobachten. Außerdem seien sonst niemals eine solche Menge von Bienen auf den Flugbrettern zu sehen.

Sodann sei das Wetter zum Schwärmen sehr geeignet.

Das sind nach seinen Angaben nur Wahrscheinlichkeiten für ein beabsichtigtes Schwärmen. Viel sicherer ist das sogenannte Tüten der alten Königin und das sogenannte Quaken der neuen Königin. Zwei Königinnen bekämpfen sich nämlich auf Tod und Leben oder eine wandert aus.

Wir begeben uns nach der Hinterseite des Bienenstockes, um uns durch eine Glasscheibe das Leben und Treiben der Bienen näher anzusehen.

Es ist wohl allgemein bekannt, daß die Bienen Waben aus Wachs bauen, die aus ganz regelmäßigen sechseckigen Zellen bestehen. Ist es schon ein Wunder, daß Tiere, und obendrein auf der untersten Stufe des Tierreichs stehende Insekten, ein solches Kunststück vollbringen, das dem klugen Menschen nicht leicht fallen würde, so wird unser Erstaunen dadurch gesteigert, wenn wir sehen, daß die Bienen diese Bauten im Dunkeln ausführen.