Durch eine Schleudervorrichtung wird der Honig aus den Waben geschleudert. Je nach der Gegend und der Stärke des Stockes läßt der Imker den Bienen bis zu 20 Pfund Honig für den Winter.
Im Gegensatz zum Zucker wird der Honig sofort verdaut. Die Alten haben nicht so ganz Unrecht gehabt, daß sie die heilsame Wirkung des Honigs immer wieder betonten. Keine Nahrung soll das Leben so verlängern wie der Honig.
[203]. Sind die Bienen fleißig?
Wenn wir das Gewimmel und die aufopfernde Tätigkeit der Bienen mit eigenen Augen sehen, wie sie eintragen und wieder eilend fortfliegen, um dem Volke neue Nahrung zu bringen, dann ist es uns ganz verständlich, daß man schon im Altertum den Staat der Bienen den Menschen als Muster vorgehalten hat. Wie die Ameisen, die ohne Ansporn immer tätig sind, so scheinen auch die Bienen einen vorbildlichen Fleiß zu bekunden.
Auch hier fragt es sich, ob wir nicht menschliche Vorstellungen in die Tierwelt hineintragen, wo sie gar nicht hinpassen. Das Bienenvolk wie der Ameisenstaat bestehen aus einem fortpflanzungsfähigen Wesen. Die einzelne Biene pflanzt sich nicht fort. Das ist ein grundlegender Unterschied zu allen andern Geschöpfen. Mit Recht nennt der Imker das ganze Volk »der Bien«. Wie andere Geschöpfe aus zusammenhängenden Zellen bestehen, so der Bien ebenfalls aus Zellen, aber im Gegensatz zu sonstigen Geschöpfen aus beweglichen Zellen.
Ist aber die einzelne Biene gar kein selbständiges Geschöpf, sondern nur eine bewegliche Zelle, dann kann man ihr weder Lob noch Tadel erteilen. Wir loben unser Herz nicht, weil es Tag und Nacht schlägt, ebenso unsere Lungen nicht, die unermüdlich von früh bis spät und selbst die Nacht hindurch für frische Luft sorgen. Hat schon jemand den Magen gelobt, weil er fleißig verdaut?
Es sprechen folgende Umstände dafür, daß die Biene kein selbständiges Geschöpf ist.
1. Wie der Mensch einzelne Zellen für das Ganze opfert, – um nicht auf den Kopf zu fallen, hält er die Arme vor –, so opfern sich die einzelnen Bienen für das Ganze.
2. Unsere Zellen arbeiten Tag und Nacht. Geht man zur Nachtzeit in das Bienenhaus – was ich oft gemacht habe –, so sieht man die Bienen auch nachts in reger Tätigkeit.