So wohnte ich vor vielen Jahren bei einem befreundeten Bienenzüchter. Dieser verkaufte die Hälfte seines Grundstückes. Infolgedessen mußte der Bienenstand eine andere Stelle erhalten. Tagelang aber flogen die Bienen zunächst nach der ganz leeren Stelle, wo er früher gestanden hatte.
Die Tiere müssen also, wie immer wieder hervorgehoben werden muß, zu dem Raume in einem ganz anderen Verhältnis stehen wie der Mensch.
Zum Vorgang des Schwärmens, den wir leider nicht selbst beobachten konnten, sei bemerkt, daß die Bienen wie eine Wolke dahinziehen und sich traubenförmig an einem Aste niederlassen. Der Imker, der sich gewöhnlich Kopf und Hände durch Vorrichtungen schützt, dabei auch raucht, steigt auf eine Leiter und bringt den Schwarm vorsichtig in einen Eimer oder in ein anderes Gefäß.
[204]. Warum werden Pferde besonders leicht von Bienen gestochen?
Bereits im Altertum ist es aufgefallen, daß Pferde leicht Gefahr laufen, von Bienen gestochen zu werden. Es ist mir nicht bekannt, daß andere Haustiere von Bienen getötet worden sind, aber von Pferden ist es mir wiederholentlich berichtet worden. Ein bekannter Naturforscher führt folgende Fälle an: 1. Im Jahre 1820 fuhr ein Freund von mir von Berlin nach Wittenberg. Nicht weit von Schmögelsdorf fiel ein Bienenschwarm aus unbekannter Ursache wie rasend über die Pferde her. Das eine wurde totgestochen, das andere starb am folgenden Tage. 2. Am 24. Mai 1854 hielt der Bauer Meier vor der Wohnung eines Bauern zu Wotersen auf der Landstraße mit einem Viergespann, als plötzlich die aus etwa sieben Stöcken kommenden Bienenschwärme sich gleichzeitig auf die Pferde warfen. Das erste erlag sogleich den Stichen, die übrigen starben teils an demselben Tage, teils am folgenden. Alle Versuche zur Vertreibung der Bienen durch Abschießen von Pulver und Uebergießen mit kaltem Wasser blieben erfolglos. Die Bienen desselben Bauern hatten schon früher an derselben Stelle zwei Pferde getötet.
Man versteht hiernach, daß unsere Vorfahren nicht so unrecht hatten, wenn sie die Biene als »wilden Wurm« bezeichneten. Vier Pferde auf einen Schlag zu verlieren, ist namentlich bei den heutigen Preisen für Pferde gewiß keine Kleinigkeit.
Die Fälle sind deshalb fast wörtlich angeführt, damit ersichtlich wird, daß die Pferde zu dem Angriff der Bienen nicht den geringsten Anlaß gegeben haben. Sie waren auf der Landstraße und haben, wie immer, ihren regelmäßigen Dienst getan. Bei der Schilderung der Fälle ist auch nicht einmal der Versuch gemacht worden, das Verhalten der Bienen zu erklären.
Ich komme auf meine bereits im Kap. [198] geäußerte Ansicht zurück. Das Pferd, das regelmäßig braun sein wird, erinnert die Bienen an ihren Todfeind, den Honigbären. Uebrigens gibt es in Europa Bären von der verschiedensten Färbung, wie mir die Felle, die mir ein bekannter Bärenjäger gezeigt hat, beweisen. Das Pferd ist also auch gefährdet, wenn es nicht braun ist.
Der Hund mit seinem zottigen Haar wäre auch gefährdet. Aber die Hundeartigen kennen aus früheren Zeiten die Gefahren durch Bienenstiche und ziehen sich rechtzeitig zurück. Ebenso kennen Wildrinder und Wildschafe in ihrer Heimat wilde Bienen und benehmen sich entsprechend. Auch scheinen die Bienen die Ungefährlichkeit der Wiederkäuer zu kennen.
Dagegen kennt das Pferd keine Wildbienen, weil es in der Steppe kaum Bienen gibt. Umgekehrt wissen die Bienen nicht, daß sie von den Pferden nichts zu fürchten haben.