Wie sehr auch heute noch in den Schäferhunden das Raubtier schlummert, beweist die Tatsache, daß manche bei großer Langeweile von der »Schafsucht« gepackt werden, indem sie nach Art ihrer Vorfahren Schafe zu würgen beginnen. –

Die Leistungen der Polizeihunde sind erst überschwenglich gelobt worden. Später hat eine wissenschaftliche Kommission Untersuchungen veranstaltet und ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die Hunde nicht die Fähigkeit besitzen, einzelne Personen durch ihren Geruch zu unterscheiden.

Demgegenüber muß auf die uralte Tatsache hingewiesen werden, daß erlegtes Wild durch Schreckmittel vor dem Verzehren durch Nasentiere bewahrt werden muß. Hat der Jäger in Afrika eine Antilope erlegt, die er nicht nach dem Lager schleppen kann, so muß er durch ein Taschentuch oder andere Gegenstände Hyänen und Schakale abschrecken. Diese Raubtiere sind nicht schnell genug, um eine Antilope zu fangen. Sowie sie aber verwundet ist, dann folgen sie ihrer Fährte. Genau so ist es in Deutschland mit dem Hirsch und Fuchs und war es früher mit dem Bären. Ein Fuchs oder ein Bär kann keinen gesunden Hirsch einholen oder einen gesunden Rehbock. Haben Hirsch oder Reh aber die Kugel vom Jäger erhalten, so verfolgen die genannten Raubtiere die verwundeten Pflanzenfresser. Ein Nasentier unterscheidet also an der Fährte ohne Frage, ob das Geschöpf gesund oder krank ist. So sehen wir im Frühjahr die männlichen Hasen (Rammler) mit gesenkter Nase in fliegender Fahrt der Spur der Häsin folgen. Der Hase findet also durch die Nase nicht nur die Spur, sondern erkennt auch durch den Geruch, ob es ein Männchen oder Weibchen ist.

Hunde haben so häufig die Spur ihres Herrn unter zahlreichen anderen herausgefunden, daß ein Zweifel daran ausgeschlossen ist. Ich habe es oft erlebt, und es überhaupt nicht für möglich gehalten, daß man eine solche Tatsache bestreiten kann.

Der Mensch kann unzweifelhaft mit seinen Augen seine Bekannten von anderen Leuten unterscheiden. Aber in einer großen Versammlung, in einem vollbesetzten Zirkus vermag er seinen Bekannten nicht herauszufinden. So geht es dem Polizeihund auch in dem Gewirr der Spuren in einer Großstadt. In großen Städten wird die Leistung eines Polizeihundes kaum der Rede wert sein. Dagegen kann er auf dem Lande sehr wohl zur Aufdeckung eines Verbrechens beitragen.

Völlige Klarheit in die Sachlage dürfte erst die Zukunft bringen.

In Jägerkreisen zweifelt kein Mensch an den hervorragenden Leistungen der Hundenase, selbst wenn der Hund dicht an der gesuchten Beute vorbeilaufen sollte. Man sagt sich mit Recht, daß der Mensch die Nasentätigkeit eines Tieres zu schwer beurteilen kann.

Bei Hundeprüfungen, die häufig stattfinden, läßt man deshalb jedesmal zwei Hunde arbeiten, um einen besseren Maßstab für die Beurteilung zu haben.

Viel besser als zum Polizeihund eignet sich der deutsche Schäferhund zum Blindenhund. Hier ist seine Dienstwilligkeit unbezahlbar, und hier kommt ihm sein besseres Auge sehr zustatten. Mit tiefer Rührung habe ich oft zugesehen, wie tadellos er seinen blinden Herrn geführt hat. Allerdings wird nur der Blinde mit seinem Hunde gut auskommen, der etwas Hundeverständnis besitzt.

Das Publikum aber sollte dem Blinden und dem Hunde nach Möglichkeit behilflich sein. Das mindeste aber, was man verlangen kann, ist das, daß man den eigenen Hund festhält, damit er den Hund des Blinden nicht stört. Bekanntlich haben alle Hunde den unbezähmbaren Drang, sobald sie einen Artgenossen wahrnehmen, seine Bekanntschaft zu machen.