Ueber die Leistungen der Jagdhunde soll im zweiten Bande gesprochen werden, wo die heimische Tierwelt geschildert wird.

Für den Landbewohner sind außer den Wachhunden am wichtigsten die Hunde zum Treiben des Viehs (Fleischerhunde) und die Hunde zum Bewachen des Viehs, namentlich der Rinder und Schafe (Hirtenhunde). Ueber diese Hunde wäre folgendes zu sagen:

Man hat den Fleischerhund am liebsten schwarz oder braun. Ein guter Fleischerhund ist in seiner Pflicht unermüdlich, läuft unaufhörlich hinter dem Vieh, das er vor sich hertreibt, hin und her; geht ein Ochse durch und läßt sich nicht zurücktreiben, so springt er ihm an die Schnauze und hängt sich mit den Zähnen daran fest. Schweine packt er am Ohr, was er teils von selbst tut, teils bei einiger Anleitung an kleineren Schweinen leicht lernt. Man richtet ihn auch ab, falls er dies nicht von selbst tut, daß er, sobald er das Ohr fest gepackt hat, über den Rücken des Schweines wegspringt, wodurch er auf die andere Seite kommt, das Ohr mit hinüberzieht, dem Schweine den Kopf umdreht und es auf solche Weise leicht zum Stehen bringt.

Der Hund des Kuhhirten muß immerfort seinen Herrn beobachten und aufmerken, ob dieser ihm etwas befiehlt, was er dann augenblicklich ausführt. Er muß volle Spitzzähne haben. Kühe, welche nicht sogleich gehorchen, muß er wirklich beißen, sonst haben sie keine Achtung vor ihm. Treibt er die Kuh vor sich her, so darf er nur nach den Hinterfüßen beißen, und zwar, um nicht geschlagen zu werden, von der Seite, nie nach dem Schwanze oder den Seiten, am allerwenigsten nach dem Euter. Schlägt die Kuh nach ihm, so muß er sich gut in acht nehmen, aber dennoch beißen. Will er die Kuh wenden, so muß er nach dem Kopfe beißen. Widersetzt sich ihm eine Kuh oder ein Ochse geradezu mit den Hörnern, so trägt er, wenn er seinem Amte ganz gewachsen ist, dennoch den Sieg davon, indem er das Vieh ohne Umstände in die Schnauze beißt und sich daran festhängt. Ist ein Ochse nur einmal von dem Hunde in dieser Art gebissen worden, so hat er vor einem solchen Schnauzenbiß entsetzliche Angst. So hatte vor vielen Jahren der Waltershäuser Hirt einen trefflichen Hund von Größe und Farbe eines Fuchses. Der Hauptbulle der großen Herde war zu jener Zeit ein lebensgefährliches Tier, wagte aber, nachdem ihm der Hund einmal fest, schwer und lange an der Nase gehangen, gegen diesen nicht die geringste Widersetzlichkeit. Einstmals hatte sich der Hund in der Stadt mit Beitreiben von Kühen verspätet, der Bulle glaubte sich sicher, achtete nicht auf den Hirten, bis dieser laut nach dem Hunde pfiff; da sah sich der Bulle ängstlich um und rannte, anscheinend vom bösen Gewissen getrieben, wie der Hund gesaust kam, geradeaus auf einen hinter dem Burgberge gelegenen Teich los, sprang ohne Zaudern in diesen hinein, eilte bis zu einer Stelle, wo nur noch sein Kopf hervorragte, machte dort Halt, schwenkte und sah den Hund und den Hirten erwartungsvoll und schweigend an. Der Hirt rief den Hund ab, trieb die Herde, denn es war Abend, heimwärts und der Bulle folgte von fern wie ein demütiger Sünder. Von dieser Zeit an war das Betragen des Bullen immer tadellos.

Die außerordentliche Wirkung des Schnauzenbisses ist ganz einleuchtend. Denn auch der Bulle ist ein Nasentier, dessen Nase ungeheuer empfindlich ist. Deshalb zieht man ihm häufig zu seiner Bändigung einen Ring durch die Nase.

Der Schäferhund muß ebenfalls nach den Hinterfüßen und beim Wenden nach Kopf und Hals beißen. Ist ein Saat- oder Kleefeld in der Nähe, das er schützen soll, so läuft er entweder rastlos an ihm auf und nieder oder er legt sich lauernd hin und springt plötzlich zu, wenn ein Schaf zu naschen wagt. Ueber die Klugheit mancher Schäferhunde beim Hüten der Schafe soll noch später bei dem Schafe gesprochen werden.

Die Rattenplage und ihre Bekämpfung durch Hunde und Katzen soll bei der Katze geschildert werden.

Die körperliche Leistungsfähigkeit der Hunde ist ganz erstaunlich. Was ein Fleischerhund oder ein Schäferhund den Tag über zusammenläuft, läßt sich schwer berechnen, aber es ist jedenfalls eine riesige Strecke. Bei den schnellen und ausdauernden Hühnerhundrassen hat man berechnet, daß sie in sechs bis sieben Stunden eine Strecke von mehr als 100 Kilometern im Galopp durchmessen. Von einem russischen Windhund wird berichtet, daß er an einem Tage 140 Kilometer auf der Landstraße zurücklegte, ohne wunde Ballen zu erhalten.

[27]. Gefahren durch Hunde.