Der Volksglaube, daß man einen tollen Hund am eingeklemmten Schwanz und an der Wasserscheu erkennt, ist irrig. Wohl aber zeichnet er sich durch verändertes Benehmen, namentlich durch große Beißlust aus.

Die Tollwut endet immer tödlich. Eine bestimmte Räudekrankheit, die Acarusräude, pflegt ebenfalls unheilbar zu sein. Sonst werden junge Hunde namentlich im Alter von vier bis zu neun Monaten gewöhnlich von der Staupe befallen, die in einer ansteckenden Entzündung der Schleimhäute besteht. Die Gelehrten stehen dieser Seuche, die fast die Hälfte aller Junghunde dahinrafft, ziemlich machtlos gegenüber. Auf dem Lande hat man die seltsamsten Kuren dagegen und häufig mit Erfolg.

Ein Glück ist es, daß die Flöhe, die der Hund besitzt, nicht dauernd auf den Menschen übergehen. Nach kurzer Zeit verlassen sie ihn wieder. Der Ausspruch: Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flöhen auf, ist also nicht ganz richtig.

Man könnte nun sagen, daß schon allein die Tollwut der Hunde Grund genug wäre, alle Hunde abzuschaffen, da ein einziges Menschenleben unendlich wertvoller als das zahlreicher Tiere ist. Dagegen muß man darauf hinweisen, daß man überall im Leben Vorteile und Nachteile abwägen und danach seinen Entschluß fassen soll. Heute las ich in den Zeitungen, daß allein in Berlin fünf Personen durch unbeaufsichtigt gelassene Gashähne getötet worden sind. Werden wir deshalb die Gasbenutzung aufgeben? Nein, ebensowenig wie auf das Baden, Schwimmen, Schlittschuhlaufen verzichtet wird, obwohl alljährlich eine Menge blühende Menschenleben dieser von der Jugend so beliebten Betätigung zum Opfer gebracht werden.

Dagegen wird man zweckmäßig handeln, wenn man sich die Gefahren vergegenwärtigt, und doppelte Vorsicht anwendet.

Eigentümlichkeiten des Hundes, die bisher noch nicht erörtert worden sind, werden an einer späteren Stelle besprochen werden (vgl. das [Sachregister]).

[28]. Geschichtliches vom Hunde.

In welcher Weise der Haushund gezähmt worden ist, wissen wir nicht. Da viele Hundeartige (Kaniden), beispielsweise die Schakale, den Löwen und Tigern folgen, um an ihrer Beute teilzunehmen, so werden sie sich auch dem Urmenschen angeschlossen haben, um etwas von den Abfällen seiner Mahlzeiten zu ergattern. Der Mensch wird bald bemerkt haben, daß die Nachbarschaft dieser Tiere für ihn von größtem Vorteil war. Sie machten Lärm, sobald sich etwas Ungewöhnliches zeigte, und sie fanden durch ihre feine Nase dort Wild, wo er achtlos vorübergegangen war. Wie heute in der Türkei noch die Straßenhunde leben, die keinen eigentlichen Herrn haben, also halbwild sind, so haben sich wahrscheinlich schon in früheren Zeiten halbwilde Hunde dem Menschen angeschlossen. Wir machen eine ähnliche Beobachtung bei andern Tieren. Der Hausstorch, der Hausrotschwanz, die Hausschwalbe, der Haussperling, der Haus- oder Steinmarder, die Hausmaus und andere Tiere haben sich ebenfalls mit dem Menschen angefreundet und sehen jetzt ganz anders aus als ihre ganz wilden Verwandten. Der Hausstorch sieht schwarz-weiß-rot aus, der im Walde lebende Waldstorch ist dagegen fast schwarz. Der in der Scheune lebende Hausmarder hat eine weiße, der im Walde lebende Edelmarder eine gelbe Kehle usw. Halbwilde Hunde, ähnlich dem Straßenhunde in der Türkei, sind wahrscheinlich die Vorfahren unserer Haushunde, die durch Kreuzung mit Wölfen und Schakalen im Laufe der Zeiten entstanden sind.

[29]. Der Hund in Sprichwörtern und Redensarten.

Einige Sprichwörter und Redensarten, die sich mit dem Hunde beschäftigen, sind bereits erklärt worden (über Bellen und Beißen der Hunde, sich rekeln, Eberköpfe und Hundeköpfe, Grasfressen, Anbellen des Mondes sowie über Hund und Ofen und Hund und Flöhe). Hier sollen noch weitere angeführt werden.