Ein Raubtier, das ein anderes Geschöpf erbeuten will, muß natürlich vorsichtig zu Werke gehen. Denn der Pflanzenfresser hat durchaus keine Lust, sein Grab im Magen des Raubtiers zu finden, sondern sucht sich auf jede Weise davor zu bewahren. Würden Wölfe, die gern einen Hasen, einen Hirsch oder ein Reh fressen möchten, schon vor Beginn der Jagd bellen, so würden sich die Pflanzenfresser vorher in Sicherheit zu bringen suchen.
So ist es denn ganz selbstverständlich, daß wilde Hundearten, wie die in Indien hausenden Kolsums, nicht bellen, ebensowenig die Wölfe und Schakale. Man hat sich darüber gewundert, daß die Hunde, die Kolumbus in Amerika zurückließ, das Bellen verlernt hatten. Als man sie nach langer Zeit wiederfand, waren sie verwildert und stumm geworden. Das ist doch ganz natürlich. Sie mußten auf eigene Faust, nachdem sie von den Menschen verlassen worden waren, ihre Nahrung suchen. Bald merkten sie, daß sie um so schwerer Beute machten, je mehr sie vorher bellten. Deshalb ließen sie das Bellen sein, wie es ihre Vorfahren getan hatten.
Das Bellen ist also eine Eigenschaft des Hundes, die der Wildhund nicht besitzt. Wohl aber hat er eine Anlage hierzu, wie schon aus seinem Geheul hervorgeht. Genau so liegt es bei anderen Haustieren. Wildenten und Wildgänse hüten sich, so viel zu schnattern wie unsere Hausenten und Hausgänse. Wildenten und Wildgänse sind auf dem Lande fast immer stumm, um sich ihren zahlreichen Feinden nicht zu verraten. Auch das fortwährende Krähen hat sich der Hahn als Haustier erst angewöhnt.
Der Mensch fand bald heraus, daß das Bellen des Hundes für ihn vom Vorteil war, weil es ihm den nahenden Feind oder einen Besuch anzeigte. Deshalb bevorzugte er die Hunde, die am meisten zum Bellen geneigt waren. Da solche Eigenschaften sich zu vererben pflegen, so hat der Mensch fast allen Hunden das Bellen angezüchtet. Am meisten eignen sich hierzu die kleinen Hunderassen, die den großsprecherischen Menschen gleichen, die mit Worten Helden sind, während ihre Taten zu wünschen übrig lassen. Sie haben zu dem Sprichwort Anlaß gegeben: Die Hunde, die da bellen, beißen nicht.
Zu den bellustigsten Hunderassen gehört der Spitz, und demnach auch unser Peter. Wegen seiner Kläffreudigkeit, die alles Verdächtige anzeigt, hat man ihn gern da, wo man auf Wachsamkeit Wert legt.
Wir sehen, daß die Frage, warum der Hund bellt, gar nicht so leicht zu beantworten ist. Nicht viel leichter sind seine anderen Taten zu erklären.
[2]. Warum bellt der Hund sich drehende Räder an?
Peter hat wütend die Räder des vorüberfahrenden Radlers angekläfft. Was veranlaßt den sonst ziemlich harmlosen Hund zu solchem Aerger?
Hierfür müssen wir zwei Gründe annehmen. Wir wissen, daß unsere Hunde, wie die Wölfe, zu den Raubtieren gehören, die durch ihre Schnelligkeit Hasen und andere Pflanzenfresser erbeuten. Das tun andere Raubtiere, z. B. Katzen, nicht. Eine Katze rennt nicht hinter einem gesunden Hasen her, um ihn zu fangen, obwohl sie Hasenbraten mindestens ebenso gern frißt wie der Hund. Sie beschleicht den Hasen, was der Hund kaum jemals tut, weil er viel zu ungeschickt dazu ist. Der Hund ist also von Hause aus ein Hetzraubtier, die Katze dagegen ein Schleichraubtier.