Für jedes Hetzraubtier sind schnell vorüberrauschende Gegenstände von größter Bedeutung. Kann es doch ein Pflanzenfresser sein, der sich für den ewig hungrigen Magen erbeuten ließe. Darum muß sich der Hund beeilen. Denn wenn ein schnellfüßiger Pflanzenfresser erst einen gewissen Vorsprung hat, ist er schwer einzuholen. Die Katze dagegen lassen schnell sich bewegende Räder ganz kalt, denn sie weiß, daß sie schnell vorüberhuschende Gegenstände nicht einholen kann.
Es ist eine alte Erfahrung, daß ein Mensch, der vor einem fremden Hunde anfängt davon zu laufen, viel eher gebissen wird, als wenn er stehen bleibt. In dem Hunde werden eben durch die schnellen Bewegungen des Menschen die uralten Raubtierinstinkte wachgerufen.
Außer der Lebensweise der wilden Verwandten muß noch ein zweiter Punkt berücksichtigt werden, der den meisten Menschen vollkommen unbekannt ist: Die Sinne des Hundes sind durchaus verschieden von denen des Menschen.
Der Jäger weiß seit Urzeiten, daß der Hund viel besser mit seiner Nase das Wild aufspürt, als er es je mit seiner Menschennase zu tun vermöchte. Gerade deshalb hat er sich einen Hund angeschafft. Es ist selbst den meisten Großstädtern bekannt, daß die Hundenase der menschlichen überlegen ist. Aber die wenigsten wissen, daß das Auge des Hundes bei Tageslicht wenig taugt. Dafür seien einige Beispiele angeführt.
Ein Gutsbesitzer wunderte sich darüber, daß jedesmal, wenn er mit seinem Wagen an den weidenden Kühen vorüberfuhr, die beiden Hirtenhunde mit großem Geblaff die beiden vor dem Wagen gespannten Schecken, d. h. weiß und dunkel gefärbten Pferde, verfolgten. Er sprach mit dem Kuhhirten darüber, der ihm folgende Erklärung gab. Die Hunde halten die beiden Schecken wegen ihrer ähnlichen Färbung ebenfalls für Kühe und wollen verhindern, daß sie sich von der Herde entfernen. Deshalb laufen sie mit Gebell hinterdrein.
Die Erklärung des Kuhhirten dürfte durchaus richtig sein, wie man ja überhaupt unter solchen Leuten ausgezeichnete Tierbeobachter antrifft. Wie wenig muß aber das Hundeauge fähig sein, Einzelheiten zu unterscheiden, wenn es ein Pferd mit einer Kuh verwechseln kann.
Der Schweizer Bildhauer Urs Eggenschwyler schildert eine ähnliche Verwechselung. Er hielt sich einen jungen Löwen von etwa sechs Monaten, mit dem er spazieren ging. Ein Ziehhund hielt die mächtige Katze für Seinesgleichen und wollte mit ihr raufen. Erst als er sie vorher beroch und plötzlich merkte, wen er vor sich hatte, flüchtete er mit allen Zeichen großer Angst.
Ein deutscher Forstbeamter in Rußland berichtete vor dem Weltkriege folgendes Erlebnis. Sein Dachshund wurde von einem Wolf gepackt und fortgeschleppt. Schnell schoß er nach dem Räuber, der zwar nicht getroffen wurde, aber die Beute fallen ließ. Nachdem der Hund wiederhergestellt war, flüchtete das sonst so mutige Tier vor jedem grauen Geschöpf von Wolfsgröße, z. B. vor einem Schafe.
Von eigenen Erlebnissen möchte ich hier nur folgende anführen.