Sieht man, mit welcher Sorgfalt die Katze ihr Fell leckt, so scheint es doch wahrscheinlicher zu sein, daß die Katze, da sie Regen wie überhaupt Wasser meidet, das Fell wenigstens zu kämmen sucht. Die Stacheln würden hiernach als Ersatz für einen Kamm dienen. Gerade die Katzen in kalten Ländern brauchen einen reichlichen Haarwuchs, und dieser muß, wenn schon das Wasser von ihm ferngehalten wird, in irgendeiner Weise in Ordnung gehalten werden.

Nach unseren Begriffen kann uns das Belecken der Pfote, um damit die Haut zu bearbeiten, wie es August macht, sehr wenig gefallen. Aber wir müssen natürlich die Tiere mit einem anderen Maßstab messen als den Menschen. Wir tauchen unsere Hand in eine Schüssel Wasser und reinigen die beschmutzte Stelle oder wir nehmen zu diesem Zwecke einen Schwamm. Der Katze fehlen diese Dinge, und daher wählt sie ihre Zunge als Ersatz.

So halten auch Hundemütter und Katzenmütter ihre Jungen durch Belecken sauber. Was würde es für Umstände machen, wenn ein Hund oder eine Katze für jedes Junge – es sollen nur sechs angenommen werden – ein besonderes Bad anrichtete?

Die Zunge hat also, wie wir sahen, bei den Tieren, namentlich bei Hunden und Katzen eine ganz andere Bedeutung wie beim Menschen. Sie ersetzt dem Tier häufig die Hand. Wenn ein Hund uns seinen Dank ausdrücken will, so kann er uns nicht die Hand geben, weil er keine hat, sondern sucht uns die Hand zu belecken.

[36]. Das Vorgefühl der Tiere für kommendes Wetter.

Da wir gesehen haben, wie sorgfältig August sein Fell in Ordnung gebracht hat, so wollen wir bei dieser Gelegenheit etwas näher auf den Volksglauben eingehen, wonach Besuch zu erwarten ist, wenn die Katze sich putzt.

Es ist natürlich sehr bequem zu sagen: Das ist ja fürchterlicher Unsinn. Wie kann ein aufgeklärter Mensch so etwas glauben?

So einfach liegt die Sache nicht. Ich will hier erzählen, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

Auf einem Jagdrevier gab es eine Unmenge wildernder Katzen, die großen Schaden anrichteten. Der Jagdaufseher, der ein hervorragender Schütze war, gab sich alle Mühe, ihre Anzahl zu verringern.

Das ist aber nicht leicht auszuführen. Die Katze merkt sehr bald, daß man ihr nachstellt, und als nächtliches Tier geht sie dann nur in der Dunkelheit auf Raub aus. Was nützt dem vortrefflichsten Schützen seine Kunst? Um zu treffen, muß man sehen können, und in der Dunkelheit ist nichts zu sehen.