Scheint einer Katze ein Hund bedenklich, so macht sie einen Buckel, faucht und hebt eine Pranke hoch. Fauchen, ebenso Speien als Vorboten der Abwehr sind verständlich, ebenso das Hochheben der Pranke, um sofort bereit zu sein, dem Gegner eins auszuwischen. Aber wozu soll der Buckel nützen?

Der große Naturforscher Darwin sieht den Zweck dieses Buckels darin, daß die Katze ihrem Feinde dadurch größer und so auch gefährlicher erscheinen soll. Da alle Hundeartigen (Kaniden) mit Vorliebe Tiere angreifen, die viel größer sind als sie selbst – z. B. Wölfe ein Pferd, einen Hirsch usw. – so kann der Buckel keinen Eindruck auf den Gegner machen, zumal er von den schwachen Augen des Gegners kaum wahrgenommen wird.

Vielmehr dürfte die Katze deshalb einen Buckel machen, um ihre schwächste Stelle zu schützen. Ein Hund, der Erfahrungen im Würgen von Katzen besitzt, packt die Katze stets am Nacken. Das weiß die Katze sehr wohl, daß der Nacken ihr gefährdetster Körperteil ist, und deshalb macht sie zu seinem Schutz einen Buckel. Deshalb flüchtet auch eine Katze nur in den seltensten Fällen. Sie weiß, daß ihr Feind sie in Kürze einholt und beim Nacken packt. Also kämpft sie lieber bis zum äußersten gegen den größten Hund. Sind mehrere Hunde vorhanden, so wirft sie sich auf den Rücken und kämpft mit allen vier Pranken.

Wir ersehen daraus, daß der Mut der Katze in Wirklichkeit nicht so außerordentlich ist, wie es den Anschein hat. Sie hat gar keine andere Wahl als mutig zu sein. Ferner fällt uns auf, daß die Katze im Kampfe gegen den Hund sich auf ihre Pranken, fast niemals auf ihr Gebiß verläßt. Blitzschnell schlägt sie mit den Pranken, namentlich nach der Nase, die, wie wir wissen, höchst empfindlich ist. Mit ihrem kleinen Gebiß könnte sie gegen den großen Rachen des Hundes wenig ausrichten.

Unter den Hunden gibt es Draufgänger, die durch Wunden nur noch wütender werden. Solchen geht auch eine starke Katze aus dem Wege, während sie weiß, daß die große Mehrzahl ihrer Feinde nur blafft, aber sich ihren Prankenhieben nicht aussetzt.

Zu den Draufgängern unter den Hunden gehören Dachshunde, Terriers, insbesondere Bullterriers, Bulldoggen und überhaupt manche Doggen, sowie zahlreiche rasselose Dorfhunde. Den Hund ganz allgemein als feige zu bezeichnen, dürfte irrig sein.

Die Kraft der Katze erkennt man daran, daß sie einen schweren Hasen über einen Zaun schleppen kann.

[38]. Warum begleitet die Katze ihren Herrn nicht wie ein Hund? Warum geht sie nicht mit ihm auf die Jagd?

Die Frage, warum August seine Herrin, die er so gern hat, nicht beim Einholen begleitet hat, wie es doch alle Hunde so gern tun, will ich dadurch beantworten, daß ich von meinem Erlebnis mit dem »Katzenmann« erzähle.

Vor dem Kriege konnte man in Berlin in der Nähe der Potsdamer Brücke häufig einen Herrn sehen, der mit einer Katze spazieren ging und deshalb Katzenmann genannt wurde. Ich habe ihn oft getroffen, hatte aber jedesmal wichtige Dinge eiligst zu erledigen, so daß ich seine Bekanntschaft nicht machen konnte. Endlich traf ich ihn in einer vegetarischen Speiseanstalt, wo er häufiger Mittagsgast war. Ich habe mich mit ihm bekanntgemacht und mich nach seinen Katzen und seinen Erfahrungen, die er mit ihnen gemacht hat, erkundigt.