Seine Augen glänzten, als er mir von seinen Lieblingen erzählte. Selbstverständlich besaßen sie alle hervorragende Eigenschaften.

Ich freue mich sehr, wenn ich einen wirklichen Tierfreund kennen lerne. Aber man darf doch nicht alles bei den Tieren nur in rosarotem Lichte erblicken.

Ich habe den Katzenmann mehrfach heimlich beobachtet und wurde in meiner Ansicht bestärkt, daß selbst der größte Katzenfreund es niemals durchsetzen wird, mit einer Katze genau wie mit einem Hunde spazieren zu gehen. Der Katzenmann hatte seine Katze an einer Strippe. Das war natürlich nötig, weil ihm sonst die Katze einfach fortgeklettert wäre. So suchte sie nun das Klettern im Bereiche der Strippe auszuüben. Die Katze die Treppe hinunterzubringen, war ein wahres Kunststück, was lange Zeit in Anspruch nahm. Auf der Straße verbarg sich das Tier hinter jedem geeigneten Gegenstand, namentlich hinter jedem Kellerhals. Mit großer Mühe konnte sie erst jedesmal von ihrem Herrn losgebracht werden. So nahm die kleine Strecke von der Potsdamer Brücke bis zur Matthäikirchstraße wohl eine halbe Stunde in Anspruch. Hinter der Kirche steht auf der Rasenfläche ein Gebüsch. Hierhinein verkroch sich die Katze und konnte trotz aller Anstrengungen ihres Herrn nicht wieder herausgebracht werden. Ich habe sehr lange Zeit gewartet, mußte aber schließlich gehen, um übernommene Verpflichtungen zu erfüllen. Jedenfalls war ich mir klar darüber, daß das Spazierengehen mit Katzen nur für solche Leute in Betracht kommt, die furchtbar viel Zeit übrig haben. Denn es ist stets eine Reise mit Hindernissen.

Viel schlimmer aber ist es, daß der Katzenfreund glaubt, seinem Lieblinge eine große Freude zu bereiten, während es in Wirklichkeit schon an Tierquälerei grenzt.

Die Katze fühlt sich nur dort wohl, wo sie sich durch Klettern vor den ihr drohenden Gefahren schützen kann. Wenn auch die meisten Großstadthunde keinen ernstlichen Kampf mit einer starken Katze wagen, so gibt es auch hier Ausnahmen. Die Katze, die der Katzenmann bei sich führte, war nun noch ein junges, und eher schwächliches als kräftiges Tier. Es war daher kein Wunder, daß sie sich auf der Straße vor Hunden fürchtete. Jede Katze hat den natürlichen Wunsch, ihre schwache Seite, den Nacken mit dem Rücken, zu schützen, und stellt sich ihrem Feinde stets so, daß der Rücken gedeckt ist. Deshalb flüchtete sie hinter jeden Kellerhals. Viel willkommener war ihr natürlich noch das hohe Gebüsch. Hier hätte ihr kein Hund etwas anhaben können. Deshalb wollte sie durchaus nicht davon fort. Vielleicht ließ sich auch noch dort ein Vögelchen fangen. Es war da ein Grund mehr, sich von dem Gebüsch nicht zu trennen.

»Warum hat aber die Katze Furcht? Ihr Herr steht ihr doch zur Seite?« wird mancher fragen. Wer Katzen kennt, stellt diese Frage nicht. Ein Tier, das seit Urzeiten selbständig handelt, kann sich gar nicht in die Lage versetzen, auf Schutz und Beistand eines anderen zu rechnen. Das tut wohl der Hund, aber nicht deswegen, weil er klüger ist, sondern weil er den Schutz durch seine Artgenossen als ein in Rudeln lebendes Geschöpf für selbstverständlich hält.

Will man eine Katze durchaus im Freien bei sich haben, so soll man sie auf seine Schulter setzen, wo Katzen überhaupt furchtbar gern sitzen. Freiwillig wird uns eine Katze nur begleiten, wo sie jederzeit eine Zuflucht hat, also im Walde, an Zäunen, Gebüschen und anderen Deckungen entlang.

Es gibt verwilderte Katzen, die so stark sind, daß sie sich vor keinem Hunde fürchten. Diese denken aber nicht daran, den Menschen bei seinen Ausflügen zu begleiten.

Hiervon abgesehen will die Katze das selbst dann nicht tun, wenn er auf die Jagd geht, während Hunde dann vor Freude außer Rand und Band sind. Wir sind der Katze zu laut, zu tolpatschig und reden zu viel. Bedenken wir, wie lautlos die Katze auftritt, welche federnde Bewegungen sie besitzt und wie schweigsam sie sich verhält, so können wir ihr nicht Unrecht geben.

[39]. Warum fällt die Katze immer auf die Füße? Warum leuchten ihre Augen?