Wie ich bereits vermutet hatte, ist die Lösung des Rätsels furchtbar einfach. Die Katze hat wie der Hund den uralten Trieb, ihren Unrat zu vergraben. Das tun sie nicht aus Sauberkeit, sondern weil sie wissen, daß alle Pflanzenfresser die Gegend meiden, wo ihnen ihre feine Nase mitteilt, daß gefährliche Feinde in der Nähe weilen. Gerade die Katze hat zum Vergraben besondere Gründe, weil ihr Unrat besonders stark riecht.
Auch der junge Hans wollte es wie die anderen Katzen machen, aber es gab in der Wohnung seiner damaligen Herrin keinen Sand. Hat das Raubtier keine Möglichkeit, den Abgang zu vergraben, so sucht es wenigstens eine Höhlung für ihn auf.
Da in der Wohnung die einzige Höhlung, die für die Katze in Betracht kam, der Ausguß der Wasserleitung war, so sprang sie in diesen hinein.
Hans hat nur den Gedanken der Beseitigung gehabt. Das konnte man ganz unzweifelhaft daran erkennen, daß er nach der Beendigung mit den Pranken zu scharren anfing, obwohl doch in dem eisernen Behälter seine Hin- und Herbewegungen mit den Pfoten ebenso nutzlos waren wie das Scharren der Hunde mit den Hinterfüßen auf dem steinharten Bürgersteig.
Wie wird nun von einfachen Leuten ein so vollständig einleuchtender Vorgang ausgeschmückt.
Hiernach hat Hans folgenden Gedankengang gehabt. Wir müssen uns die klugen Menschen zum Vorbilde nehmen. Diese wissen dadurch die größte Reinlichkeit zu wahren, daß sie einen mit Wasserspülung versehenen Trichter benutzen. Leider kann ich mit meiner Katzengestalt ihnen das nicht nachmachen. Aber ich will den Menschen wenigstens darin nacheifern, daß auch bei mir Wasserspülung für die größte Reinlichkeit sorgt. Deshalb springe ich in den Abguß der Wasserleitung.
Dieser Gedankengang entspricht etwa den Anschauungen der meisten Tierfreunde. Sie werden hierin durch folgende Erwägung bestärkt. Der Großstädter ist klüger als die andere Bevölkerung. Die Tiere sehen dem Menschen kluge Maßregeln ab. Warum soll nun nicht eine Großstadtkatze, die in der Wohnung Klosetts mit Wasserspülung sieht, den Menschen nachzuahmen suchen.
In Wirklichkeit ist das eine vermenschlichende Anschauung, die dem Tiere vollkommen fernliegt. Der klügste Affe ist, wie ich schon erwähnt habe, nicht zur Stubenreinheit zu bewegen. Reinlichkeit in unserem Sinne kennt überhaupt das Tier nicht. Reinlichkeit ist eine Vorbedingung für die Gesundheit. Wir halten uns Unrat, verweste Dinge, tote Tiere und dergleichen fern, weil sie unserer Gesundheit schädlich sind. Da sie der Gesundheit des Hundes nichts schaden, so kann der Hund nicht denselben Reinlichkeitssinn besitzen wie wir.
Bei der Katze liegt die Sache ähnlich. Wie oft habe ich gesehen, daß meine Katzen sich auf schmutziger Wäsche mit Wonne sielten. Wo sitzt denn da die Reinlichkeit nach unseren Begriffen?