Zum Schlusse unseres Besuches zeigt uns Hans noch eine Glanzleistung. Er ist in der Küche, wo wir uns befinden, auf ein Brett gesprungen, wo zahlreiche kleine Gläser stehen. Man muß immer wieder die ungeheure Geschicklichkeit einer Katze bewundern, wie sie ihre vier Füße zu setzen weiß, ohne im geringsten anzustoßen. So wandert auch Hans durch die Gläser, ohne den geringsten Schaden anzurichten.
Bei der Jagd kann man oft die gleiche Geschicklichkeit der Katze beobachten. Wildernde Katzen wissen, daß der Jäger ihnen eifrig nachstellt. Sie verbergen sich deshalb sofort in der Saat oder im Klee oder einer anderen Deckung. Man sollte meinen, daß die Pflanzen sich bewegen müßten, wenn eine Katze hindurchgeht. Aber wenn man oben auf die Saat oder den Klee schaut, so kann man niemals eine Bewegung feststellen. So rettet die Katze durch ihre Geschicklichkeit ihr Leben, da der Jäger nicht weiß, wohin sie geflüchtet ist.
Eine andere Eigentümlichkeit der Katzen besteht darin, daß sie darauf erpicht sind, in jede Höhlung zu kriechen. Es ist daher nicht unbedingt notwendig, daß die Katzenfallen mit einem Köder versehen sind. Die Katze kriecht auch in einen Kasten, wenn kein Leckerbissen darin ist. Aus meiner Studentenzeit ist mir noch folgender Vorfall in der Erinnerung geblieben, der den Beweis hierfür liefert. Ich wohnte bei Leuten, die sehr große Tierfreunde waren und eine schwarze Katze besaßen. Die Katze war mehr bei mir als bei ihnen. Eines Tages war es sehr kalt und es sollte deshalb geheizt werden. Als Feuer angemacht war, fiel es mir auf, daß ich die Katze nicht sah. Auch war es mir so vorgekommen, als wenn ich ganz leise Laute aus dem Ofenloche vernommen hätte. Meine Wirtin bestritt zwar, daß die Katze im Ofenloch sitzen könne, sah aber doch nach und gewahrte zu ihrem Schrecken die Katze hinter dem Feuer. Rasch entschlossen riß sie das Feuer aus dem Ofen und zog die Katze heraus, die glücklicherweise nur einige versengte Stellen am Pelze aufwies. In dem Ofen war nur Asche, und zwar nicht einmal warme Asche, da ich in diesen Jahren nur ganz ausnahmsweise heizen ließ. Nur die Höhlung hatte es der Katze angetan, hier sich aufzuhalten. Wahrscheinlich tauchte vor dem Ofenloch die Erinnerung an die Felsenhöhlen ihrer Vorfahren in ihr auf.
[45]. Geschichten von Katzen.
Der Naturforscher, der von der Jagdleidenschaft seiner Hunde so schön plauderte, hat auch mit seinen Katzen mancherlei erlebt. Eine Katze, die er sich angeschafft hatte, mit Namen Ripp, war ungeheuer scheu. Erst im Laufe des Sommers, erzählte er, da ich mit meiner Familie sehr viel vor dem Hause war, gelang es uns, Ripp so zutraulich und zahm zu machen, daß sie immer am liebsten in unserer Gesellschaft verweilte, sich streicheln und tragen ließ, uns weit weg begleitete, wenn wir fortgingen, und uns weithin und voller Seligkeit entgegenkam, wenn wir zurückkehrten. Ripp war kohlpechrabenschwarz mit einem prächtigen weißen Stern auf ihrer treuen Brust, und da die Welt damals gerade voller Mäuse war, so hatte ich auch noch einen einfarbig blaugrauen Kater angeschafft, dem die Kinder den Namen Hänschen gaben. Nach Jahr und Tag fand ich Gelegenheit, von einem Freunde ein schönes Kätzchen zu beziehen, dessen Großvater ein schöner Angorakater war. Jetzt ward der Entschluß, das liebe alte Pärchen wegzuschaffen, gefaßt. Zuerst ward Hänschen im Käfig gefangen, und während er mit schwermütigem Blicke, als ob er dem Wetter nicht recht traute, in ihm auf und ab ging, fuhr ein kleiner Korbwagen vor, der Käfig ward hineingestellt, mit einem Tuche gut bedeckt, dies rings dicht mit Stroh umbanst, und nun Glück auf, da zog der neue Besitzer des schönen blaugrauen Katers wohlgemut den Wagen, listig allerlei Umwege durch den Wald wählend, seiner Heimat zu, die auf geradem Wege ein halbes Stündchen von uns entfernt ist. Dort angelangt, wurde der Wagen ins Haus gezogen, die Türen wurden hinten und vorn verriegelt, der Käfig behutsam herausgehoben, enthüllt, – aber, ach, der war ganz leer und keine Spur vom Kater zu sehen, obgleich der Wagenlenker ihn doch mit eigenen Augen beim Einpacken im Käfig gesehen hatte und sorgfältig verwahrt zu haben glaubte. Genaue Prüfung des Tatbestandes ergab, daß man im Vertrauen auf die Decke die Tür des Käfigs zuzubinden versäumt hatte und daß der reisende Kater inmitten der Reise unbemerkt die Türe geöffnet und Reißaus genommen haben mußte. Als der Wagen zurück und die Trauerbotschaft an mich kam, da erschrak ich, hielt gleich Haussuchung und fand Hänschen auf dem Heuboden, wo er ganz ruhig in seinem gewöhnlichen Bettchen lag, mir freundlich grüßend entgegenkam und mit dem Ergebnis seiner Waldpartie ganz zufrieden schien. Er ging auch gleich am folgenden Tage wieder getrost in den Käfig, ward wieder eingesperrt, zu Wagen gebracht, aufs Allersorgfältigste verpackt, gelangte auf neu ersonnenen Umwegen richtig an den Ort seiner Bestimmung, begrüßte mich aber doch am nächsten Morgen schon wieder ganz unbefangen in der lieben Heimat, weil er von dem Dachboden, wohin man ihn gesperrt, durch ein Loch entwichen war, das er selber entdeckt hatte und das der Hausbesitzer hinterdrein auch noch bei dieser Gelegenheit zu sehen bekam. Das nächste Mal ward Hänschen in entgegengesetzter Himmelsrichtung nach einem Orte, der eine Stunde weit entfernt und durch Berg und Tal, Wiese, Wasser und Wald von hier getrennt ist, zu befreundeten Seelen kutschiert, kehrte aber nach Verlauf zweier auf Reisen zugebrachter Wochen heim ins Vaterhaus und saß an einem schönen Morgen im Strahle der aufgehenden Sonne, reicher an Welt- und Menschenkenntnis, aber ärmer an Fett, in Hungersnot sanft quäksend und freundlich winkend unter meinem Fenster. – Auch die gute Ripp war während aller dieser merkwürdigen Ereignisse schon zweimal in die Welt hinein kutschiert und beidemal erfahrungsreicher heimgegangen. – Nun aber wurde zum dritten- und letztenmal Anstalt zur Auswanderung getroffen. Das liebe Pärchen mußte auf einem ganz neuen Wege eine gute geographische Meile weit zu Leuten fahren, die den ernstlichen Willen kundgegeben hatten, die zwei Auswanderer wenigstens zwei Wochen lang hinter Schloß und Riegel gut zu verpflegen. Nach drei Wochen kam die Nachricht, daß sich der Kater Hänschen zwar aus dem ihm angewiesenen Hause weggeschlichen, aber bei einem Nachbar festes Quartier genommen, daß Ripp dagegen geblieben, ganz einheimisch, zufrieden und sehr beliebt sei.
Unser Gewährsmann schildert weiter, daß auch Ripp nach einiger Zeit wieder zu ihm zurückgekehrt ist.
Der wunderbare Ortssinn der Tiere, von dem schon die Rede war (Kap. [9]), zeigt sich auch bei der Katze stark ausgebildet.
[46]. Redensarten und Sprichwörter von der Katze.
Geldkatze ist ein hohler Gurt, der als Geldbeutel dient und gewöhnlich von Katzenfell hergestellt wird.
- Katzenmusik, Katzenkonzert,
- Katzenwäsche,
- Katzenbuckel,
- Schmeichelkätzchen,
- Katzen und Herren fallen immer auf die Füße,