Wie so viele Pferde ist unser Droschkenpferd von brauner Farbe mit schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. Auffallend ist die Beweglichkeit seiner Ohren, die sich sofort nach der Seite öffnen, von der aus ein Geräusch ertönt. Die Augen des Pferdes stehen nicht wie beim Menschen vorn, sondern mehr auf der Seite. Die Fliegen müssen dem Tiere ziemlich zusetzen, denn alle Augenblicke schlägt es mit dem Schwanze nach ihnen. Von Zeit zu Zeit tritt es auch mit den Hufen stark auf, um sie zu verscheuchen. In der Zwischenzeit zuckt es mit dem Felle, um die Plagegeister zu vertreiben. Vielen Erfolg scheinen die Abwehrmittel nicht zu haben, da die Fliegen wohl fortfliegen, aber ebenso sicher auch zurückkehren.
Von seinen Hufen, die ungespalten sind, hat das Pferd den Namen Einhufer erhalten. Wir staunen, daß ein so großer Körper so sicher auf den kleinen Hufen steht.
Ebenso wundern wir uns über den außerordentlich langen und starken Hals, wenn wir ihn mit dem Halse des Menschen vergleichen. Im Verhältnis zur Länge des Halses ist wiederum der Kopf nur klein. Während unser Kopf rund ist, hat das Pferd einen länglichen Kopf.
Inzwischen ist beim Fressen durch das Schnauben des Pferdes eine ganze Menge Häcksel aus dem Kübel geflogen. Dieses Fortpusten des Häcksels betrachten viele als ein Zeichen dafür, daß das Pferd ein sehr kluges Tier ist. Der Häcksel, den ihm sein Herr vorsetzt, paßt ihm nicht, und deshalb pustet es einfach eine Menge davon fort.
Mit der Zeit scheint das Futter sich seinem Ende zu nähern, denn das Pferd schüttelt den Kübel hin und her, um sich ja nicht etwas von dem Futter entgehen zu lassen. Hieraus dürfen wir wohl den Schluß ziehen, daß es ihm nicht gerade schlecht schmecken kann.
Wir wissen, daß wir, um das Benehmen des Pferdes und sein Aussehen zu verstehen, seine wilden Verwandten uns näher ansehen müssen. Früher waren die Vorfahren unseres Hauspferdes unbekannt. Seit Anfang dieses Jahrhunderts sind sie jedoch entdeckt, und von den gefangenen Fohlen sind ein Männchen und ein Weibchen, also ein Hengst und eine Stute, nach dem Zoologischen Garten von Berlin gekommen. Leider ist die Stute vor einigen Jahren gestorben. Der Hengst aber lebt zurzeit noch, wenngleich er schon einen recht alten Eindruck macht. Anscheinend ist er auch schon erblindet, wenigstens auf einem Auge dürfte er ganz blind sein.
Der Wildhengst ist kleiner als unser Droschkenpferd, da er nicht größer als ein Zebra ist. Ueberhaupt sehen wir, daß alle Einhufer des Zoologischen Gartens nach unseren Begriffen klein sind. Das kommt daher, weil wir unsere Pferde absichtlich auf Größe gezüchtet haben, so daß unser Auge an große Pferde gewöhnt ist.
Auch das Wildpferd ist braun mit schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. Ueberdies läuft noch ein schwarzer Streifen auf dem Rücken entlang. Auch bei unseren Hauspferden kommt er manchmal vor und wird als Aalstrich bezeichnet.
Diese Zeichnung des Wildpferdes ist natürlich seinen Lebensgewohnheiten angepaßt. Es lebt noch heute in Mittelasien. Und zwar ist das Wildpferd ein Bewohner der Steppe, wo es in Rudeln angetroffen wird. Diese Rudel werden von einem Hengste geleitet, der fortwährend achtgibt, ob irgendwo Gefahr droht. Naht sich ein größeres Raubtier, so ergreift das Rudel eiligst die Flucht. Gegen kleinere Raubtiere kämpft der Hengst mutig, und zwar schlägt er mit seinen Vorderhufen und packt sie mit dem Gebiß.