Jetzt verstehen wir, weshalb es heute noch bissige Pferde gibt. Das Beißen ist eine ursprüngliche Waffe der Pferde. Wir haben absichtlich alle Pferde, die sich durch Beißen auszeichneten, von der Zucht ausgeschlossen, so daß unsere heutigen Pferde nur ausnahmsweise beißen.
Das Ausschlagen ist an sich ebenfalls eine natürliche Waffe des Pferdes. Niemals soll man sich einem fremden Pferde von hinten nähern. Das Pferd, das im allgemeinen ängstlich ist, hört ein Geräusch hinter sich und schlägt naturgemäß nach hinten aus. Dadurch sind schon unzählige Unglücksfälle verursacht worden.
Wie die braune Lerche sich von der Erde kaum abhebt und deshalb leicht übersehen wird, ebenso der braune Hase, so verschwimmt auch das Wildpferd mit seiner braunen Farbe in der endlosen braunen Steppe. Wäre jedoch das Wildpferd nur braun, so würde ein so großer brauner Fleck in der Natur auffallen. Deshalb ist durch die schwarze Mähne, den Aalstrich und den schwarzen Schweif der braune Fleck geteilt und nicht mehr so auffällig groß.
[48]. Warum hat das Pferd eine Mähne? Die Fabel von dem Kreisbilden der Pferde.
Die Frage, weshalb das Pferd eine Mähne besitzt, scheint sehr leicht zu beantworten zu sein. Einfach zu dem Zwecke, damit der Reiter sich daran festhält, wenn er sich auf das Pferd schwingt.
Jetzt betrachten wir daraufhin das Wildpferd und sehen, daß es oben auf dem Halse nur kurze Borsten wie ein Zebra hat. Die Mähne unserer Hauspferde, die sehr bequem für den Reiter ist, hat also bei dem Wildpferde gar nicht die Länge, um als geeigneter Handgriff zu dienen.
Die Mähne hat also bei dem Wildpferde andere Zwecke zu erfüllen. Der große und starke Pferdehals sieht wie ein großes Viereck aus und muß in der weiten Steppe sehr auffallen. Durch die schwarze Mähne oben auf dem Halse wird dieses Viereck weniger auffallend. Die Hauptfeinde der Wildpferde sind in Asien der Tiger und der Mensch. Beide sind Augentiere, denen gegenüber die Schutzfärbung von großer Bedeutung ist. Weniger kommt sie in Betracht bei den Wölfen, da diese sich wie die Hunde in erster Linie nach ihrer Nase richten.
Immer wieder taucht die Fabel auf, daß die Pferde sich gegen die Wölfe dadurch verteidigen, daß sie einen Kreis bilden mit den Köpfen nach innen, während die nach außen gerichteten Hinterbeine den Angreifer niederschmettern. In der Mitte des Kreises sollen sich die Fohlen aufhalten.
Naturforscher und Reisende, die Gelegenheit hatten, die Angriffe der Wölfe auf Pferdeherden zu beobachten, haben aber nicht das geringste von diesem Kreisbilden wahrnehmen können. Der Wolf sucht sich vielmehr an die Pferdeherden anzuschleichen, um ein Füllen zu packen, manchmal auch ein einzelnes Pferd. Merken die Pferde den Wolf, so gehen sie auf ihn los und bearbeiten ihn mit den Vorderhufen, die Hengste auch mit den Zähnen.