Ein amerikanischer Reisender schildert folgenden Kampf zwischen Wölfen und Pferden: Als ich mich am Spokanfluß aufhielt, ging ich nach der Pferdeprärie, um die Manöver zu beobachten, welche die Wölfe bei ihren vereinten Angriffen auf die Pferde anwenden. Ihre erste Ankündigung bestand in einem gellenden, hundeähnlichen Gebell, das sie von Zeit zu Zeit hören ließen, gleich dem Abfeuern der Gewehre der verschiedenen Vorposten bei kleinen Gefechten. Dieses Gebell wurde von der entgegengesetzten Seite durch ein ähnliches erwidert, bis sich die Töne immer mehr näherten, und endlich aufhörten, als die Parteien sich vereinigten. Wir setzten unsere Flinten in Stand und verbargen uns hinter einem dicken Gebüsch. Indes scharrten die Pferde, welche die Gefahr merkten, mit den Hufen auf dem Boden auf, schnaubten, hoben die Köpfe in die Höhe, sahen wild um sich und gaben alle Zeichen von Furcht. Ein paar Hengste erwarteten mit anscheinender Ruhe den Feind. Endlich erschienen die Verbündeten in einem Halbkreis, dessen Enden sie ausdehnten, um ihre Beute einzuschließen. Es waren zwischen 300 bis 400 an der Zahl. Die Pferde schienen ihre Absicht zu erraten, und da sie sich fürchteten, einer solchen Anzahl entgegenzutreten, galoppierten sie nach der entgegengesetzten Seite; die Wölfe stürzten nach, ohne ihre Stellung im Halbkreis zu verlieren. Die Pferde, welche nicht im besten Stande waren, wurden schnell eingeholt und fingen an, nach ihren Verfolgern auszuschlagen, wovon manche heftige Schläge erhielten. Doch würden sie bald über die Pferde Herr geworden sein, wären wir nicht zur rechten Zeit aus unserm Hinterhalte hervorgetreten, und hätten des Feindes Zentrum eine tüchtige Ladung Kugeln zugeschickt, die mehrere davon töteten. Sogleich schwenkte sich das ganze Bataillon und lief in der größten Eile und Unordnung den Bergen zu, während die Pferde, sowie sie die Schüsse hörten, ihren Lauf änderten, und auf uns zu galoppierten. Unser Erscheinen rettete einige aus den Zähnen der Wölfe, und sie schienen durch ihr Wiehern ihre Freude und Dankbarkeit ausdrücken zu wollen.

Auch in dem vorstehenden Falle ist von einem Kreisbilden der Pferde keine Rede. Wohl aber haben ihre Feinde, die Wölfe, einen Halbkreis mit verlängerten Enden um sie gebildet, damit kein Pferd entweichen konnte.

[49]. Warum kann das Pferd nur durch die Nase atmen?

An kalten Wintertagen, wo der Atem sichtbar wird, kann man deutlich erkennen, daß das Pferd nur durch die Nase atmet. Aus den Nüstern kommen fortwährend Wolken wie Dampf, aber aus dem Maule nicht.

Auch hier gibt die Lebensweise der Wildpferde Aufschluß über die Eigentümlichkeit. In der Steppe herrschen in der Winterzeit furchtbare Schneestürme. Diese würden für die Pferde besonders nachteilig sein, da sie die Gewohnheit haben, stets gegen den Wind zu laufen. Sie tun das natürlich nicht aus Vergnügen, sondern um ihre Feinde rechtzeitig wahrzunehmen. Denn wie der Hund, so ist das Pferd ein Nasentier, das eine sehr feine Nase, aber am Tage nur ein schwaches Sehvermögen besitzt. Lauern nun vor ihnen irgendwo Feinde, so wird das hervorragende Geruchsvermögen sie dem Pferde verraten.

Das Laufen gegen eisige Winterstürme würde aber der Gesundheit der Pferde nachteilig sein, falls das Atmen durch das Maul erfolgte. Deshalb kann das Pferd nur durch die Nase atmen, damit es stets angewärmte Luft einatmet.

Die Furcht vor seinen Feinden spielt also beim Pferde die größte Rolle. Immer sind deshalb die Ohren in Bewegung, damit es ja nicht etwas Gefährliches überhört. Kipp- und Hängeohren wird man bei den Pferden kaum jemals antreffen, obwohl sie bei Hunden und anderen Haustieren häufig sind. Die Angst läßt die Ohren immer gespitzt halten.

Das Fortpusten des Häcksels aus dem Futterkübel geschieht also nicht deshalb, weil das Pferd sehr klug ist, sondern wegen seiner Nasenatmung. In der Freiheit fliegt dadurch kein Futter fort, weil die Gräser festgewachsen sind.

Kinder spielen gern Pferd und ahmen ihrem Vorbild durch Schnauben und Prusten nach. Auch dieses Prusten beruht nur auf der Nasenatmung, weshalb beispielsweise Kühe und Schafe nicht Prusten.