Was verschenkt der Mensch am liebsten?

Es ist traurig, aber wahr, daß er am liebsten wertlose Gegenstände verschenkt. Man kann sogar behaupten, daß viele erst auf den Gedanken, etwas zu verschenken, kommen, weil sie einen wertlosen Gegenstand los sein wollen. Sie wissen, daß sie kaum etwas dafür erhalten, und sagen sich, daß es doch einen guten Eindruck macht, wenn man etwas verschenkt.

Es ist also eine alte Erfahrung, daß verschenkte Pferde meistens alte Pferde sind.

Nun gehört das Pferd zu den Tieren, dessen Alter man mit einer leidlichen Genauigkeit an den Zähnen erkennen kann.

Es ist leicht verständlich, daß Zähne durch den Gebrauch abgenützt werden. Da die Zähne des Pferdes Vertiefungen, sogenannte Kunden haben, so ist klar, daß, je weniger die Kunden abgenützt sind, desto jünger das Pferd, je mehr, desto älter es sein muß.

Man soll also einem geschenkten Gaul deshalb nicht in das Maul sehen, weil man dann an den Zähnen erkennen würde, daß man ein recht bejahrtes Tier von dem Schenker erhalten hat. –

Unser Droschkenpferd trägt Hufeisen, und zwar an jedem Hufe eins. Wildpferde besitzen natürlich keine Hufeisen. Es fragt sich, weshalb der Mensch dem Tiere diese Eisen aufgenagelt hat.

Im Altertum waren, wie wir wissen, die Pferde unbeschlagen. Auch bei uns läßt man auf dem Lande, namentlich in sandigen Gegenden, die Pferde häufig unbeschlagen.

Das läßt sich deshalb durchführen, weil die Abnutzung des Hufes auf sandigem Boden nicht groß ist und durch Nachwachsen wieder ersetzt wird. Anders liegt aber die Sache in den Städten mit Steinpflaster. Pferde, die auf solchem Pflaster schwere Lasten zu ziehen haben, müssen deshalb beschlagen werden, um die vorzeitige Abnutzung der Hufe zu verhindern.

Das richtige Aufnageln der Hufe will natürlich verstanden sein. Deshalb sind tüchtige Hufschmiede mit Recht auf ihre Fertigkeit stolz.