einen furchtbaren Reif.
Wir können auch verstehen, weshalb der Löwe seinen Schweif so eilig dreht. Er will einen ganz genauen Sprung machen, um sein Opfer zu packen. Selbstverständlich will das bedrohte Geschöpf der Gefahr entrinnen und sucht nach der einen oder anderen Seite zu entkommen. Nach welcher es sich wenden wird, kann der Löwe vorher nicht wissen. Das entscheidet sich erst im letzten Augenblick. Darum tut der Löwe am klügsten, wenn er den Schweif im Kreise dreht. Mag das bedrohte Tier springen, nach welcher Seite es auch will, stets wird der Löwe durch die Kreisdrehung imstande sein, richtig zu steuern.
Weil es auf die richtige Steuerung beim Sprunge sehr ankommt, deshalb haben alle Katzenarten einen langen Schwanz. Die alten Griechen haben also sehr fein beobachtet, als sie die Katze »Ailurus«, d. h. Drehschwanz, nannten. Ausnahmsweise haben einige Katzen nur einen kurzen Schwanz, nämlich solche, die, wie z. B. der Luchs, hauptsächlich auf Bäumen lauern, wo für das Drehen des Schwanzes kein Platz ist. Auf der Insel Man lebt eine Katze, die hauptsächlich von Vögeln lebt und deshalb auf Bäumen heimisch ist. Auch sie hat keinen Schwanz.
Die Hundearten brauchen zwar zum Springen keinen langen Schwanz, wohl aber zum schnellen Umkehren. Der Hase sucht sich vor dem schnelleren Hund durch Hakenschlagen zu retten, indem er ganz plötzlich die Richtung ändert. Der Hund, der in rasender Eile dem Hasen folgt, ist dermaßen in Schwung, daß er noch eine ganze Strecke fortschießt, nachdem der Verfolgte seinen Haken geschlagen hat. Dadurch erhält der Hase einen Vorsprung, bis der Hund ihm wieder bedenklich auf das Fell rückt. Dann kann das Spiel von neuem beginnen.
Um seinen Körper plötzlich herumzuwerfen, bedarf der Hund wie alle Hetzraubtiere, also Wölfe, Wildhunde u. dgl., eines langen Schwanzes. Besonders wichtig ist er für den Windhund, da dieser der eifrigste Hasenhetzer ist. Ein Windhund ohne Schwanz ist undenkbar. Vielmehr zeichnet sich gerade diese Hunderasse durch einen langen Schwanz aus.
Für alle Katzenarten ist also ein langer Schwanz zum richtigen Steuern und für alle Hundearten zum schnellen Herumwerfen ihres Körpers von Wichtigkeit. Ebenso sehen wir bei Raubvögeln lange Schwänze, damit sie bei der Verfolgung schnell die Richtung ändern können. Außerdem erleichtert der ausgebreitete lange Schwanz ihnen das Tragen der Beute.
Hasen, Hirsche, Rehe, Elche usw. brauchen dagegen keine Schwänze, weil sie keine anderen Tiere verfolgen. Das Hakenschlagen kann der Hase ohne Schwanz sehr gut machen, da er ja vorher die Absicht hat, die Richtung zu ändern. Würde auch der Hund vorher diese Absicht haben, so käme er auch ohne Schwanz aus.
Gegen die Insektenplage helfen sich die Pflanzenfresser dadurch, daß sie Oertlichkeiten aufsuchen, wo weniger Insekten vorhanden sind.
Nur den Pferden und den Rindern nützen die Wanderungen nicht viel. Das Pferd ist auf seine Heimat, die Steppe, angewiesen. Viel schlimmer ist das Rind daran. Es ist gerade in üppig bewachsenen Niederungen heimisch, wo es sehr viel Insekten gibt. Deshalb hat auch das Rind den längsten Schwanz zum Vertreiben der Fliegen, während das Pferd, weil es in der Steppe nicht so schlimm ist, sich mit einem erheblich kürzeren Schweif begnügen muß.
Der Schwanz dient also bei Pferd, Rind, Hund und Katze ganz verschiedenen Zwecken. Bei den beiden erstgenannten ist er Fliegenabwehrer, bei dem Hunde soll er den Körper herumwerfen helfen, und bei der Katze soll er das richtige Steuern beim Sprunge besorgen. Ein Hund ohne Schwanz kann keinen Hasen mehr einholen. Gegen Fliegen braucht die Katze ihren Schwanz nicht als Abwehrmittel, da sie von ihnen gemieden wird. Die Hundearten liegen am Tage in einem dichten Gebüsch und ruhen. Hier ist von einer großen Belästigung durch Fliegen nicht die Rede, weshalb der Hund nach ihnen nur mit dem Maule schnappt, aber nicht mit dem Schwanze danach schlägt.