Die Rollwagenpferde sind richtige Abendländer, wie es die belgischen, dänischen Pferde und die Percherons sind. Sie sind Riesen mit gewaltiger Kraft. Sie gehören dem sogenannten kaltblütigen Schlage an, weil sie gelassen und ruhig sind. Von der ewigen Unruhe des Arabers haben sie keine Spur.

So fromme Tiere sind natürlich dem Landwirt und der Industrie viel willkommener als die schwer zu behandelnden Orientalen. Die Riesen sind so schwer und unbeholfen geworden, daß sie kaum noch durchgehen können, selbst wenn sie es wollen.

Woher kommt es nun, daß wir in Deutschland nicht lauter abendländische Pferde haben?

Die Antwort ist sehr einfach. Ein Reiter will schnell vorwärts kommen, ebenso sollen Kutschpferde rasch eine Strecke zurücklegen, sonst könnte man lieber selbst gehen. Man braucht also zu vielen Zwecken ein Pferd mit raschen Bewegungen.

Nun haben die Engländer seit vielen Jahrhunderten ihre heimischen Tiere mit arabischen gekreuzt. Hieraus ist allmählich das Vollblut entstanden, das äußerst beweglich ist. Mit englischen Pferden haben wir wiederum unsere heimischen Pferde gekreuzt, so daß wir ein Mittelding zwischen morgenländischer und abendländischer Rasse besitzen, wie es z. B. des Droschkenkutschers Liese war.

Ueber die Farben der Pferde wäre bei dieser Gelegenheit folgendes zu sagen. Braune haben, wie wir bei der Liese sahen, eine schwarze Mähne und schwarzen Schweif. Auch die Füße sind gewöhnlich schwarz. Füchse sind braunrötlich, und zwar sind Mähne und Schweif ebenfalls braunrötlich, wodurch sich eben der Fuchs vom Braunen unterscheidet. Falbe haben gelbliche Färbung und zerfallen in eine Reihe von Unterarten. Pferde mit kohlschwarzem Haar heißen Rappen. Im Gegensatz hierzu heißen Pferde mit weißem Haar Schimmel. Doch werden Schimmel nur ausnahmsweise gleich weiß geboren, wie auch die Rappen zunächst grau sind. Schimmel mit schwarzen Punkten heißen Fliegenschimmel, solche mit apfelgroßen dunklen Flecken Apfelschimmel. Pferde, die weiß und dunkel gefärbt sind, heißen Schecken. Manche Schecken haben ein oder zwei Glasaugen. Während sonst nämlich alle Pferde ein dunkelbraunes Auge besitzen, sieht die Iris oder Regenbogenhaut bei den Glasaugen hell aus.

Es ist schwer festzustellen, wie die Sehkraft des Glasauges beschaffen ist. Möglicherweise sieht ein Pferd mit dem Glasauge gar nichts. Da man sich vorsehen muß, daß man nicht ein blindes Pferd kauft, so kann ein Pferd zwei Glasaugen besitzen und trotzdem zur Arbeit verwendbar sein. Auch beim Hunde ist, wie schon erwähnt wurde (Kap. [9]), Blindheit nicht leicht festzustellen.

Das Alter des Pferdes kann höchstens auf vierzig Jahre angegeben werden. Gewöhnlich ist es schon viel früher verbraucht, bei Warmblut mit 20, bei Kaltblut mit 15 Jahren. Die Tragezeit der Stute beträgt 11 Monate. Zwillinge sind bei Pferden selten und nicht erwünscht. Das Fohlen läßt man gewöhnlich erst mit drei Jahren arbeiten.